Der Himmel soll helfen

Eine Sonnenfinsternis und die Gunst des Kaisers

Der 21. Juni 1629 ist der Tag, der zu einem Meilenstein der Mission in China werden sollte. Die Jesuiten beziehen Stellung auf einem Tor der Stadtmauer von Peking. Voller Spannung wagen sie den Blick in die Sonne durch kleine Bruchstücke aus geschwärztem Glas. Ist es ihnen gelungen, den Zeitpunkt der Sonnenfinsternis korrekt zu berechnen?

Die großformatigen Sternenkarten der Jesuiten sind Meisterwerke der Astronomie. Und sie sind einzigartige Dokumente der Akkomodation: Sie stehen für die offene Haltung der Missionare, die zwischen chinesischer Tradition und europäischem Fortschritt keinen unüberbrückbaren Gegensatz sehen.

Ein Sternenkarte - zwei Traditionen


"Die historische Bedeutung dieser Karten besteht darin, dass sie auf der einen Seite die europäische Tradition wahrnehmen, und auf der anderen Seite die chinesische in Form der sogenannten Mondhäuser. Und das vereinigt sich in der Karte", erklärt Dr. Rainer Herbster, Lehrbeauftragter am Institut für Geschichte der Naturwissenschaften der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt.


"Man kann auf den Karten jede Sternposition ablesen - in chinesischen Koordinaten oder in europäischen Koordinaten. Und man kann das auch als Umrechnungswerkzeug benutzen", erklärt Rainer Herbster und weist auf den universalen Charakter der Himmelskarten hin, die sich in beiden Kulturen nutzen lassen.

Sternenkarte der Jesuiten im 17. Jahrhundert Quelle: ZDF

Berechnung einer Sonnenfinsternis

Der Himmel soll helfen, die Wende für die Jesuiten in China herbeizuführen: Im Rahmen eines Wettbewerbs sollen chinesische, muslimische und christliche Sternenkundler den Beginn der erwarteten Sonnenfinsternis genau berechnen. Dem Sieger winkt die Gunst des Kaisers, dem Verlierer aber droht der Zorn des "Großen Drachen".

Modelle von alten, astronomischen Einrichtungen, mit denen Bewegungen am Himmel erfasst werden konnten, sind noch heute im Alten Observatorium in Peking ausgestellt. Die Missionare hatten den neuen Kalender aus Europa und die Sternentabellen von Kepler zur Verfügung. Beides haben sie auch für die Prognose der Sonnenfinsternis 1629 verwendet. Den Kenntnissen der Europäer hatten weder die chinesischen noch die muslimischen Astronomen des 17. Jahrhunderts etwas entgegen zu setzen.

Sonnenfinsternis Quelle: ZDF

Zugang zur "Verbotenen Stadt"

Der Erfolg trägt Früchte. Adam Schall soll vor dem Kaiser erscheinen. Ein chinesischer Freund zeigt ihm, wie er sich zu verhalten hat. Minutiös bereitet er sich auf die Audienz beim Kaiser vor. Zu einem Besuch beim Kaiser gehören auch Geschenke. Die Jesuiten wollen dem Herrscher eine mechanische Uhr aus Europa und ein illustriertes Buch über das Leben Jesu geben. Das Buch besteht aus ungefähr 46 Bildern und entsprechenden evangelischen Texten. Adam Schall hat die lateinische Vorlage übersetzt. Die biblischen Erzählungen passt er ebenso wie die Bilder dem chinesischen Geschmack an.

Die "Mission Verbotene Stadt" tritt in die entscheidende Phase. Ein Buch über Christus erreicht den Herrscher auf dem Drachenthron. "So viel wir wissen, hat der letzte Ming-kaiser, Chung-shen-Kaiser, das Buch wirklich gelesen. Und nicht nur gelesen, er war beeindruckt und begeistert", erklärt Sinologe Yan Wang. Der Plan der Jesuiten scheint aufzugehen. Erfolge auf dem Gebiet der Astronomie haben ihnen Zugang zum Innersten der "Verbotenen Stadt" verschafft. Der Kaiser von China empfängt die Botschafter des Christentums.

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