Highway für Ozeanriesen

Jahrhundertbau Nord-Ostsee-Kanal

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Lotsen, Seeleute, Schiffsbauer, viele Menschen, die von und für den Nord-Ostseekanal leben hoffen, dass einer der bedeutendsten und attraktivsten Verkehrswege der Welt zum alten Glanz zurückfindet.

Beitragslänge:
13 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 14.06.2020, 23:59

Der Nord-Ostsee-Kanal gilt als die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt. 2011 passieten knapp 34.000 Schiffe den Kanal, in Spitzenjahren sind bis zu 43.000 Ozeanriesen im Nadelöhr zwischen Kiel an der Ostsee und Brunsbüttel an der Elbe unterwegs. Das sind mehr Schiffe, als im Suez- und Panamakanal zusammen. Die Kapitäne und ihre Reedereien wissen, warum sie diesen Weg wählen: Die Route erspart ihnen einen Umweg von bis zu 700 Kilometern, den sie sonst um die Nordspitze Dänemarks nehmen müssten.

Bis zu 240 Meter lange Kolosse aus aller Welt durchpflügen Tag und Nacht die norddeutsche Landschaft. Manche sind so groß, dass man von der Kapitänsbrücke aus nicht einmal mehr das Wasser sehen kann. Dann wird per Gesetz dem Kapitän das Steuer aus der Hand genommen, und Lotsen und Kanalsteurer übernehmen. Denn nur sie kennen jede Untiefe und die zum Teil tückische Strömung im Nord-Ostsee-Kanal genau.

Meilenstein der Seefahrt

Als ein "Meilenstein der christlichen Seefahrt" wurde der Kanal bei seiner Eröffnung 1895 durch Kaiser Wilhelm I. gelobt - und das sicherlich zu Recht: Fast 9000 Arbeiter buddelten acht Jahre lang die knapp 100 Kilometer lange Rinne. Entlang der Route entstanden zehn gigantische Brücken mit Höhen von bis zu 42 Metern. Eine Besonderheit ist die Eisenbahnbrücke bei Rendsburg mit der darunter aufgehängten Schwebefähre - eine architektonische Meisterleistung.

Schwebefähre
Schwebefähre bei Rendsburg: Mehr Bilder der Konstruktion in der Bilderserie Quelle: ZDF

Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass eine solche Attraktion gehegt und gepflegt wird. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Schleusenanlagen sind dringend sanierungsbedürftig, stammen teilweise noch aus der Anfangszeit, sind über 100 Jahre alt. Immer wieder fallen sie aus, laufen teilweise notdürftig auf Holzkufen. Dann müssen speziell geschulte Taucher nachsehen, was sie blockiert. Und das kann dauern. Wenn dies geschieht, kommt der gesamte Verkehr auf dem Kanal ins Stocken. Hinzu kommt, dass die Schiffe immer größer werden und an einigen Stellen Schwierigkeiten haben, die engen Radien im Kanal zu durchfahren. Einige Reeder haben von der Dauerbaustelle buchstäblich "den Kanal so voll", dass sie darüber nachdenken, lieber den großen Umweg über Dänemark in Kauf zu nehmen. Sieht so das Ende eines verkehrstechnischen Weltwunders aus?

Neuerungen geplant

Hoffnung gibt es. Zumindest ein Teil des Kanals soll saniert werden, denn in Brunsbüttel ist eine zusätzliche Schleuse geplant. Die dafür nötigen 300 Millionen Euro hat der Bundestag freigegeben, so dass die vorhandenen Schleusen entlastet und wieder ein reibungsloser Betrieb auf Deutschlands wichtigster Wasserstraße stattfinden kann - allerdings erst in ein paar Jahren, wenn der Bau abgeschlossen ist.

Die Kurzdokumentation wirft einen Blick auf Lotsen, Seeleute, Schiffsbauer, viele Menschen, die von und für den Nord-Ostsee-Kanal leben und die darauf hoffen, dass sich bald alles zum Guten ändern und einer der bedeutendsten und attraktivsten Verkehrswege der Welt zum alten Glanz zurückfinden wird.

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