Der Saal des Abendmahles

Spurensuche im Heiligen Land

Auf dem Zionsberg südlich der Altstadt von Jerusalem versammelten sich die Anhänger Jesu nach dessen Tod. Hier soll die erste christliche Gemeinde entstanden sein. Ausgangspunkt war der Ort, an dem der Tradition nach Jesus das letzte Mahl mit seinen Jüngern gefeiert hat am Abend vor seinem Tod. Heute prägt den Zionsberg die mächtige Dormitio-Abtei der Benediktiner.

Etwas unscheinbar im Schatten der großen Rundkirche liegt der Abendmahlssaal, aufgrund seiner Nutzung auch Speisesaal oder Coenaculum genannt. Das Haus, in dem sich der Raum heute befindet, ist gleichsam ein Symbol für die Situation im Heiligen Land, wo an vielen Orten die drei großen monotheistischen Religionen - Judentum, Christentum und Islam, auf engstem Raum aufeinandertreffen.

Im Erdgeschoss befindet sich heute eine jüdische Synagoge. Das Grab des Königs David wird von den Juden hier verehrt - auch wenn wissenschaftliche Untersuchungen längst nachgewiesen haben, dass es nicht der historische Ort ist. Der Abendmahlssaal liegt - entsprechend den biblischen Berichten - im Obergeschoss. Ebenfalls im Gebäude befindet sich eine kleine Moschee.

Stätte für Pilger aus aller Welt

Der Abendmahlssaal ist ein schlichter Raum - Anziehungspunkt für christliche Pilger und Touristen aus der ganzen Welt. Hier soll Jesus mit seinen Jüngern am Abend vor seinem Leiden und Sterben zum letzten Mal gegessen haben. Er feierte das jüdische Paschamahl, das an den Auszug aus Ägypten erinnert, also an die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei. Einzig ein Ölbaum umgeben von Weizenähren und Weinreben verweist auf das Ereignis vor rund 2000 Jahren. Trauben, Körner und Oliven sind wie Christus, der zu Licht, Brot und Wein wird, zur Quelle des Lebens.


Eine Seitenwand des Raums ziert ein Mihrab, eine islamische Gebetsnische, die aus dem 16. Jahrhundert stammt, als der Saal in eine Moschee umgewandelt wurde. Heute ist er ein Museum; Gottesdienste dürfen dort nicht gefeiert werden. Seit vielen Jahren gibt es Bestrebungen der katholischen Kirche, die Verwaltung des Saals von Israel zu übernehmen. Doch die Verhandlungen stocken.

Ort des letzten Abendmahles?

Bei der Frage, ob es sich um den historischen Ort des Abendmahls handelt, zeigt sich Pfarrer Ludger Bornemann vorsichtig. Der aktuelle Raum sei in der Kreuzfahrerzeit entstanden. "Es gibt eine Tradition, dass hier oben auf dem Berg Zion schon sehr früh eine judenchristliche Gemeinde gelebt hat und auch wieder hierhin gekommen ist. Sie hat diesen Ort immer weiter erzählt hat als den Ort, an dem das Abendmahl stattfand, an dem nach Ostern Christus den Jüngern erschienen ist und an dem auch das Pfingstfest stattgefunden hat."

Bornemann ist Direktor des Pilgerhauses des Deutschen Vereins vom Heiligen Land in Tabgha am See Genezareth ist und führt seit vielen Jahren Pilgergruppen durch das Heilige Land. Er macht die Erfahrung, dass die Menschen oft mit dem Rückblick auf die Kinderbibel ins Heilige Land kommen und fragen: "Kann ich diese Orte wirklich berühren?" Sie kämen geprägt von einem westlichen Denken, das eher das Richtige und die genauen Zahlen haben möchte. "Dabei geht es dem Orient weniger ums Zählen als ums Erzählen. Traditionen, Geschichten, die weitererzählt werden und die vor allen Dingen zum Wesentlichen führen, nämlich zur Wahrheit, was etwas Anderes ist als die Richtigkeit."

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