Deutsche Pferde starten ohne Trainingskontrollen

Bundestagsabgeordneter Danckert droht mit Entzug von Fördergeldern

Dokumentation | Dokumentation - Deutsche Pferde starten ohne Trainingskontrollen

Doping und Tierquälerei überschatteten die Auftritte deutscher Reiter bei Olympia in Athen und Peking. Der Verband versprach Besserung. Doch was ist daraus geworden?

Beitragslänge:
29 min
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Video verfügbar bis 26.07.2017, 15:24

Blick zurück: Doping und Tierquälerei überschatteten die Auftritte deutscher Reiter bei Olympia in Athen und Peking. Der Verband versprach Besserung. Doch was ist daraus geworden? Offensichtlich nicht viel: Die deutschen Olympia-Pferde gehen ohne Trainingskontrollen an den Start.

In einem ZDF-Interview kritisiert Peter Danckert, ehemaliger Vorsitzender des Sportausschusses im Bundestag, dass die 2009 versprochenen Trainingskontrollen für Pferde im Reitsport noch immer nicht umgesetzt sind. Er ist enttäuscht darüber, dass die bei den olympischen Spielen in London die für Deutschland startenden Pferde ohne Trainingskontrollen an den Start gehen.

Im Vergleich zu anderen olympischen Sportarten sei dies ein nicht hinnehmbarer Zustand "Bei jeder anderen Sportart wäre das ausgeschlossen", so Danckert in der Dokumentation "Mission Gold – Millionengeschäfte auf dem Rücken der Pferde" (Donnerstag, 26. Juli, 22.45 Uhr).

Ende der Zuschüsse droht

Zudem warnt der Politiker den Reitsportverband vor Konsequenzen, falls es bei deutschen Reitern wie vor vier Jahren bei den Spielen in China zu Doping- oder Medikationsfällen kommt: "Sollte es auch nur den geringsten Vorfall geben, also die geringste Beanstandung im Bereich des Dopings, dann sind die öffentlichen Zuschüsse zu Ende."

Vor vier Jahren stand der deutsche Reitsportverband wegen diverser Doping- und Medikationsfälle schwer in der Kritik. Deutschlands erfolgreichster und bekanntester Springreiter Ludger Beerbaum schockierte mit seinem Eingeständnis:  "Im Lauf der Jahre habe ich mich darin eingerichtet, auszuschöpfen, was geht."

Zur Aufklärung einer Reihe von Regel- und Dopingverstößen hatte die Reiterliche Vereinigung FN 2009 eine unabhängige Untersuchungskommission unter dem Vorsitz des ehemaligen Verfassungsrichters Prof. Udo Steiner eingerichtet. Die Ergebnisse flossen in einen Zwölf-Punkte-Plan ein, der vor allem die Einführung unangemeldeter Trainingskontrollen vorsah. Dies wurde bis zu den Spielen von London nicht umgesetzt.

"Da ist gar nichts passiert"

Die Reiterliche Vereinigung FN verweist auf Schwierigkeiten bei der Umsetzung der versprochenen Trainingskontrollen. Die Zusammenarbeit mit der Nationationalen Anti-Doping-Agentur NADA zur Umsetzung eines Kontrollsystems hat nach Angaben von FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach gegenüber dem ZDF im Jahr 2011 begonnen: "Wir hatten die Hoffnung, dass wir etwas schneller loslegen können. Es hat sich dann aber in der Ausarbeitung gezeigt, dass die vernünftige Vorbereitung, die auch allen Parteien gerecht wird, mehr Zeit in Anspruch genommen hat, als wir das vorher erhofft haben."

Für den Bundestagsabgeordneten Danckert dauert dies zu lange: "Ich glaube, dass die Öffentlichkeit immer noch der Meinung ist, dass da viel passiert sei nach der Aufarbeitung. Wenn man das jetzt genauer hinterfragt und feststellt, da ist gar nichts passiert, wird das eine öffentliche Reaktion geben - da bin ich ganz sicher.“

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