Die Eiserne Lady von Liberia

Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf ist die erste Frau im Staat

Mit ihrem Namen verbunden sind Hoffnung und Aufbruch: Ellen Johnson Sirleaf ist die erste frei gewählte Präsidentin von Liberia. Ihre Regierung stützt sich besonders auf die Arbeit der Frauen - aber auch auf Sirleafs guten Ruf. So erhält das Land mehr und mehr Finanzhilfen aus dem Ausland, weil die Präsidentin nach den langen Jahren des Bürgerkrieges und der Diktatur unter Präsident Charles Taylor die Demokratie verspricht.

Sie wird die "Eiserne Lady von Liberia" genannt - Ellen Johnson Sirleaf ist die erste Frau an der Spitze eines afrikanischen Landes, als frei gewählte Präsidentin Liberias regiert sie seit 2006. "Die Tage der autokratischen Herrschaft, der selbstherrlichen und bedrohlichen Staatsoberhäupter sind vorbei", versprach sie bei ihrer Amtseinführung in der Hauptstadt Monrovia einen neuen Regierungsstil.

Hoffnungsträgerin ihres Landes

Dabei trat die Mutter von vier Söhnen und vielfache Großmutter ein schweres Erbe als Präsidentin an: Das Land hatte 14 Jahre Bürgerkrieg hinter sich, die Polizei besaß keine Waffen, keine Handschellen, keine Fahrzeuge. Nicht mal Papier, um Berichte zu schreiben. Im Land zu wenig Ärzte, zu wenig Schulen, zu wenig von allem. Während des Wahlkampfes hatte Ellen Johnson Sirleaf, die von den Liberianern auch "Old Ma" genannt wird, deshalb auch elementare Verbesserungen versprochen, die Wasser- und Stromversorgung sollte ausgebaut und mehr Jobs geschaffen werden.

Und tatsächlich: Der Wiederaufbau des Landes kommt nun langsam in Gang. Nicht zuletzt mit finanzieller Hilfe aus dem Ausland. Das Vertrauen der internationalen Gemeinschaft in das westafrikanische Land ist seit Sirleafs Wahl massiv gestiegen.

Frauen im Focus

Die liberianische Präsidentin mit deutschen Wurzeln setzt besonders auf die weibliche Bevölkerung Liberias: "Ich möchte zu den Frauen sprechen. Liberias Frauen haben Unrecht erduldet in den Jahren des Bürgerkrieges. Sie wurden vergewaltigt und in ihren Häusern versklavt. Und doch waren sie es, die für den Frieden arbeiteten. Meine Regierung will den Frauen Liberias eine herausragende Rolle in allen Angelegenheiten zuteil werden lassen", sagte Ellen Johnson Sirleaf nach den langen Jahren des Bürgerkrieges und der Diktatur unter Präsident Charles Taylor. Und ließ Taten folgen: Nach ihrem Wahlsieg berief sie Frauen in Führungspositionen in allen Bereichen ihrer Regierung, Richterinnen und Polizistinnen wurden ausgebildet.Doch trotz aller Fortschritte: Liberia erholt sich nur mühsam von den Folgen des Bürgerkrieges, der über 250.000 Todesopfer zählte. Durchschnittlich zwei von drei liberianischen Frauen sind während der Auseinandersetzungen Opfer von Vergewaltigungen geworden. Ellen Johnson Sirleaf hat in Sachen Gewalt gegen Frauen daher "Null Toleranz" ausgerufen. Auch die mittlerweile zu jungen Erwachsenen gewordenen ehemaligen Kindersoldaten warten auf eine neue Lebensperspektive. Viele Wunden des Landes sind noch nicht verheilt.

Schuldenerlass für Liberia

Die Wirtschaft ist am Boden, die Arbeitslosigkeit liegt zwischen 70 bis 90 Prozent. Der Wiederaufbau ist mühsam, Liberia gilt nach wie vor als eines der ärmsten Länder der Welt. Ellen Johnson Sirleaf vertraut daher auf ihre Kontakte ins westliche Ausland. Denn die Präsidentin hat in Harvard Finanzwissenschaften studiert. Außerdem arbeitete sie als Vize-Präsidentin der Citibank für Afrika in Nairobi, als Afrika-Direktorin des UN-Entwicklungsprogramms und für die Weltbank, bevor sie sich in Liberia als Kandidatin der Unity Party zur Wahl stellte.

Sirleaf nutzt ihre internationalen Beziehungen. Die 1938 geborene Präsidentin eröffnet Schulen, Krankenhäuser, neue Straßen - alles mit internationalem Geld. Sie ist Gast in amerikanischen Talkshows, Angela Merkel empfängt sie ebenso wie Barack Obama, der sie als "Inspiration für Afrika" bezeichnet. Nicht zuletzt durch Sirleafs Beziehungen profitiert das Land vom Schuldenerlass in Milliardenhöhe. Im November 2010 schließlich hatte der UN-Sicherheitsrat das seit 2003 geltende Waffenembargo gegen Liberias Regierung aufgehoben, Sirleaf erhofft sich davon eine bessere militärische Ausrüstung für die Streitmächte.

Kampf gegen Korruption

Korruption, so sagt Sirleaf, sei der schlimmste Feind des Landes. Immer wieder stellt die Präsidentin ihr Kabinett um, sie entlässt Minister, stellt neue ein. Egal, ob beim Landverkauf, Rohstoffabbau, Erstellen von Personalausweisen und Reisepässen - gegen jede Art von Bestechung will Sirleaf vorgehen.

2011 will Ellen Johnson Sirleaf wiedergewählt werden. Die Opposition um den ehemaligen, populären Fußballstar George Weah formiert sich derzeit. Auch die Anhänger von Charles Taylor sind immer noch da, viele in Liberia verehren ihn wie einen Helden. Ein unsichtbarer Gegner für Sirleaf? Die Präsidentschaftswahlen 2011 werden es zeigen.

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