Die große Seele Indiens

Gandhi und der Kampf um die Unabhängigkeit

Kein Name ist mehr mit dem Unabhängigkeitskampf Indiens verbunden als der von Mahatma Gandhi. Der zivile Ungehorsam war seine Waffe gegen die britische Kolonialmacht. "Große Seele" nannten ihn seine Anhänger, Winston Churchill verspottete ihn hingegen als "indischen Fakir".

Mahatma Gandhi prägte den Freiheitskampf einer ganzen Nation: Der schmächtige Inder symbolisierte wie kein anderer den Unabhängigkeitskampf gegen die britische Kolonialmacht. Er stand für den gewaltlosen Widerstand - ein schlichtes, aber überaus wirksames Mittel.

Gandhis Jahre in Afrika

Mohandas Karamchand Gandhi, so sein bürgerliche Name, wurde am 2. Oktober 1869 in Porbandar an der indischen Westküste als Sohn einer reichen Kaufmannsfamilie geboren. Seine Eltern gehörten zu der Sekte der Jai, deren Hauptgrundsatz die "Ahimsa", die Nichtanwendung von Gewalt, ist. Bereits als 14-Jähriger wurde er mit Kasturba, die ebenfalls aus einer angesehenen Familie stammte, verheiratet. Er studierte in Ahmedabad und London Rechtswissenschaft und arbeitete anschließend als Anwalt in Bombay.

1893 reiste Gandhi beruflich nach Südafrika. In den über 20 Jahren, die er dort blieb, setzte er sich für die Rechte der indischen Minderheit in Afrika ein und gründete den Natal Indian Congress.

Asket und "Große Seele"

Bevor Gandhi 1914 nach Indien zurückkehrte, wurde ihm bei einer Abschiedsfeier der Titel Mahatma, "Große Seele", verliehen. Gandhi selbst mochte diese Auszeichnung nicht, er wollte nicht als Heiliger angesehen werden. Mehr und mehr gefiel ihm die einfache Lebensweise, bewußt entschloss er sich zu einem Leben in Enthaltsamkeit. Eine Brille und eine Taschenuhr gehörten zu seinen wenigen Besitztümern, das Garn für seine Kleidung produzierte er selbst an einem Spinnrad.

Mahatma Gandhi vor einem Spinnrad
Mahatma Gandhi vor einem Spinnrad Quelle: dpa

Auch engagierte er sich verstärkt in der nationalindischen Bewegung: Gandhi gab dem Unabhängigkeitsstreben der Inder ein Gesicht und wurde deren geistiger Führer, der Abzug der Briten aus Indien war sein Ziel, seine Methode der zivile Ungehorsam. Dabei war er beharrlich in seinen Aktionen: mehrfach wurde er verhaftet, weil er zum Boykott von englischen Erzeugnissen aufgerufen hatte. Winston Churchill verspottete ihn 1930 als "indischen Fakir", doch Gandhis Ansehen als Wegweiser der indischen Unabhängigkeitsbewegung wuchs. Seine bekannteste Aktion war der "Salzmarsch", bei dem er 1930 zur Meeresküste marschierte, um das britische Salzmonopol zu brechen - zahlreiche Anhänger folgten ihm.

Engagiert im Nationalkongress

Gandhi setzte auch bei seinen Verhaftungen auf Gewaltlosigkeit: Er benutzte nie eine Waffe, verabscheute Krawalle oder Ausschreitungen, die "Nichtkooperation" mit der britischen Kolonialmacht war seine Strategie. Er engagierte sich immer stärker im Indischen Nationalkongress (INC), dem er seit 1915 angehörte und dessen Präsident er 1924 war.

1946 kam eine britische Delegation nach Indien, um die Machtübergabe an die Inder auszuhandeln. Die Briten, die durch den Zweiten Weltkrieg stark geschwächt worden waren, waren abzugsbereit, Indien sollte in die Unabhängigkeit entlassen werden. Doch die indische Muslimliga war mit den Bedingungen der Briten nicht einverstanden, es kam im ganzen Land zu Gewaltausbrüchen. Gandhi plante daraufhin einen Hungerstreik und konnte so Hindus und Muslime dazu bewegen, die Waffen ruhen zu lassen.

Enttäuschung trotz Unabhängigkeit

Sein größter Sieg, die Unabhängigkeit Indiens, hatte aber auch die Teilung in zwei Staaten zur Folge. Ein mehrheitlich hinduistisches Indien und ein muslimisches Pakistan sollten fortan nebeneinander existieren. An den Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit 1947 nahm Gandhi nicht teil. Nicht zuletzt auch aus Enttäuschung darüber, dass die indische Revolution nicht - wie er es sich erhofft hatte - gewaltlos verlaufen war. Auch hatte sie es nicht geschafft, die Einheit der Kasten und verschiedenen Religionen in Indien herbeizuführen.

Gandhis Einfluss auf die indische Politik nach Erlangen der Unabhängigkeit ist umstritten. Für seine asketische und pazifistische Haltung wurde er eher in den westlichen Ländern geehrt, in Indien selbst wurde er von Kritikern scharf angegriffen. Als Gandhi sich für Ausgleichszahlungen an Pakistan einsetzte, sorgte das bei vielen Indern für großen Unmut, sie hielten ihn für einen Landesverräter. Am 30. Januar 1948, nur wenige Monate nach der Unabhängigkeit, wurde Gandhi von einem Hindu-Fundamentalisten ermordet.

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