Die Muschelfischer von Pellestrina

Barbara Lueg unterwegs in der Lagune von Venedig

Es ist 4.40 Uhr. Ein warmer, kräftiger Wind weht. Von Chioggia aus tuckern wir auf der Fähre in den Tagesanbruch zur Insel Pellestrina. Am Horizont schiebt sich ein blassrosa Streifen zwischen Himmel und Adria. Wir sind mit Domenico verabredet, einem der legendären Muschelfischer dort. Er erwartet uns auf seinem Kutter. Als wir die Fähre verlassen, treffen wir in der Morgendämmerung einen bestens gelaunten Domenico. Und einen 'Bilderbuch-Italiener'. Offenes Hemd, behaarte Brust, Goldkette und ein verschmitztes Grinsen im Gesicht. Mehr geht nicht.

Wir begleiten ihn und seine Helfer an diesem Tag zu den berühmten Miesmuscheln in der Lagune von Venedig. 30.000 Tonnen werden hier jährlich geerntet. „Dies ist der schönste Weg zur Arbeit, den es gibt“, schwärmt Domenico.

Die vierte Generation von Fischern

Die Sonne ist mittlerweile aufgegangen und ein knallblauer Himmel wölbt sich über die Lagune. In der Ferne sehen wir die aufgereihten Baumstämme, die aus dem Meer ragen. An ihnen sind unzählige Seile befestigt, die metertief im Wasser baumeln. Als wir uns nähern, krempelt Domenico seine Ärmel hoch. „Jetzt werdet Ihr unsere Schätze sehen“, sagt er und zieht das erste Seil ins Boot. Hunderte von Miesmuscheln kleben daran und glitzern in der Sonne. Ein Seil nach dem anderen hievt er aus dem Wasser, löst die Muscheln und steckt sie in die neu erworbene Reinigungsmaschine an Bord seines Kutters. Dort werden sie gewaschen und nach Größe sortiert.
Die Mittagssonne steht mittlerweile hoch am Himmel, die Strahlen brechen in den Wellen, als wir uns auf den Weg zurück machen. „Ich bin die vierte Generation in meiner Familie. Alles Fischer, Vater, Opa, Uropa“, erzählt Domenico auf dem Heimweg. Stolz steht er da am Steuerrad seines Kutters und schaut versonnen aufs Meer.
Am Ufer der Insel Pellestrina mit ihren hübschen, bunten Fischerhäusern erwartet uns sein Vater mit einem frisch gemachten Espresso. Wir sitzen auf der Mauer, die Boote hinter uns schaukeln im Wellenschlag, aus der Küche gegenüber duftet es nach Knoblauch und frischen Muscheln. Mehr geht wirklich nicht….

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