"Dubai ist vielfältiger geworden"

ZDF-Korrespondent Dietmar Ossenberg im Interview

ZDF Korrespondent Dietmar Ossenberg, der seit 1994 immer wieder aus Dubai berichtete, gehörte über viele Jahre zu den Skeptikern der Entwicklung. Nach seinem letzten Aufenthalt und den Dreharbeiten im Oktober 2014 hat Ossenberg seine Einschätzung in vielen Punkten revidiert: „Dubai steht heute auf viel breiteren Beinen und soliderem Grund als noch vor 10 Jahren“, so Ossenberg.

ZDF: Vor 20 Jahren haben Sie zum ersten Mal in Dubai gedreht: Welchen Eindruck haben Sie heute von diesem Emirat?

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Dubai im Abendlicht Quelle: ZDF

Ossenberg: Als ich 1994 zum ersten Mal in Dubai gedreht habe, gab es dort außer ein paar Geschäftshäusern nicht viel. Ich war damals sehr skeptisch, wie sich Dubai entwickeln würde. Als 2009 die Immobilienblase geplatzt ist, haben wir dann alle vermutet, dass nun der Aufschwung in der Stadt vorbei sei. Doch mein Eindruck heute: Dubai und die Vereinigten Arabischen Emirate stehen sehr stabil dar. Das hat auch damit zu tun, dass zuletzt sehr viel frisches Geld in das Land geflossen ist. Aufgrund der Krisen und Kriege in der arabischen Welt, haben zum Beispiel Geschäftsleute aus Syrien, Irak, Libanon und Libyen bevorzugt ihr Geld in den Emiraten angelegt.
ZDF: Ist Dubai also heute mehr als eine Ansammlung faszinierender Wolkenkratzer?

Ossenberg: Dubai setzt nicht mehr nur auf Immobilien und Tourismus, sondern ist sehr viel breiter aufgestellt. Es wurde zuletzt stark in die Ausbildung der eigenen Landsleute investiert. Neue Universitäten wurden gebaut, Wissenschaft und Technik gefördert. All dies auch mit dem Ziel, dass die Emirati führende Funktionen im Land selbst übernehmen können. So entstand insgesamt eine beeindruckende Infrastruktur, die sehr viel seriöser wirkt als noch vor einigen Jahren.

ZDF: Zeugt die Dubai Tram, die neue Straßenbahn in Dubai, deren erster Abschnitt gerade feierlich eröffnet wurde, ebenfalls von kontinuierlicher Weiterentwicklung?

Atemberaubende Entwicklung

Ossenberg: Die Entwicklung in den vergangenen 40 Jahren ist atemberaubend. Früher war dort nur Wüste samt Beduinen und Kamele, an der Küste Perlenfischer und Piraten. Heute entwickelt sich dort ein Gebiet weiter, das zukunftsfähig ist. Dazu gehört auch, dass man anfängt, die Wüste zu begrünen. Es wird in Bewässerungsprojekte mit dem Ziel investiert, ab 2030 landwirtschaftlich unabhängig zu sein. Das Straßenbahn-Projekt ist ein weiterer Beleg, dass sich das Emirat breiter aufstellt – nicht mehr nur Glitzer, Glamour und Luxus. Dubai ist vielfältiger geworden. Und wenn die Krisen der Region nicht auf die Vereinigten Arabischen Emirate übergreifen, kann das eintreten, was unser Sendetitel schon ankündigt: Das Übermorgenland.

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Blick in die Lobby des 7-Sterne-Hotels Burj al Arab. Quelle: ZDF

ZDF: Dort wird der Gigantismus aber auch künftig großgeschrieben, oder?

Ossenberg: Der Ehrgeiz bleibt erhalten, die höchsten Gebäude oder die größten Shopping Malls zu haben. Nur so konnte die Handelsmetropole von internationalem Rang entstehen, die vor allem nach Asien hineinwirkt. Heute erschließen die Fluglinien der Emirate die ganze asiatische Welt und haben den europäischen Luftlinien bereits das Wasser abgegraben.

ZDF: Wie gestaltet sich denn in Dubai das Miteinander von weltlichem und islamischem Leben?

Ossenberg: Das islamische Leben vollzieht sich in den Moscheen und im privaten Kreise. Die Religion wird in Dubai, aber auch in Abu Dhabi als Privatangelegenheit betrachtet. Es gibt auch keine Beschränkungen für andere Religionen: Muslime, Christen und Hindus leben friedlich nebeneinander. Es gibt in Dubai und Abu Dhabi viele Kirchen, auch deutsche Pfarrer sind dort aktiv, was in Ländern wie Saudi-Arabien oder Irak undenkbar wäre.

Mit Dietmar Ossenberg sprach Thomas Hagedorn.

    Dietmar Ossenberg, 1950 in Recklinghausen geboren, leitet seit Februar 2009 erneut das ZDF-Studio in Kairo. Bereits von 1994 bis 2001 war er für die Berichterstattung aus Ägypten, Libyen, dem Tschad, Saudi-Arabien, Jemen, Oman, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Jordanien, Syrien, Irak, Libanon, Kuwait und dem Nord-Sudan zuständig. Zwischen diesen beiden Phasen leitete Dietmar Ossenberg von 2001 bis 2009 die ZDF-Hauptredaktion Außenpolitik und moderierte das „auslandsjournal“. Dietmar Ossenberg begann seine berufliche Laufbahn 1979 als freier Mitarbeiter der ZDF-Hauptredaktion Innenpolitik, war anschließend zehn Jahre lang Studioleiter beim Hessischen Rundfunk in Wiesbaden und arbeitet seit 1990 als Reporter, Korrespondent und Redaktionsleiter fest für das ZDF.

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