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Unterschätzte Gefahr

Der Kampf gegen Ebola

Kailahun, Sierra Leone. Der Londoner MSF-Arzt Dr. Javid Abdelmouniem hält ein kleines Mädchen in den Armen, in seinen Augen pure Erleichterung. Die Kleine hat überlebt, ihr Immunsystem hat die Krankheit niedergekämpft. Doch Tausende hat Ebola bereits getötet und wenn die schlimmsten Befürchtungen der Weltgesundheitsorganisation WHO wahr werden, könnten ihnen Hunderttausende folgen.

Denn der Zeitpunkt, die Seuche schnell in den Griff zu bekommen, ist verstrichen. Er lag irgendwann im späten Frühsommer dieses Jahres, als Ärzte der Nichtregierungsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) Alarm schlugen. Hinweise und Warnungen, die international zu spät gehört wurden. Erst allmählich sind große Hilfsoperationen, auch durch den Einsatz des Militärs angelaufen.

Wie konnte es zu der ungehinderten Ausbreitung kommen?

Die ZDF-Dokumentation “Unterschätzte Gefahr-Der Kampf gegen Ebola“ geht der Frage nach, was falsch gelaufen ist bei der Eindämmung der Epidemie. Ausgehend von ergreifenden Einblicken in eine der am härtesten betroffenen Gebiete in Sierra Leone und der hautnahen Begleitung eines britischen Arztes wird der Frage nachgegangen, wie es zu der ungehinderten Ausbreitung von Ebola kommen konnte. Ein marodes Gesundheitssystem in den betroffenen Ländern, eine hohe, nicht an nationale Grenzen gebundene Mobilität und die Weigerung, auf traditionelle Beerdigungsrituale zu verzichten, haben die Ausbreitung begünstigt. Dazu kam die verzögerte Reaktion der reichen Länder und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis die Seuche ernst genommen und nicht als vorübergehendes regionales Phänomen betrachtet wurde. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hatte schon früh gewarnt und beklagt heute, dass viele Wochen außer ihnen selbst keiner vor Ort in West-Afrika war.

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Auch emotional ein gewaltiger Kraftakt: Die Arbeit im Ebola-Rettungszentrum Quelle: ZDF

Vor allem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) muss sich mit dem Vorwurf, die Katastrophe verschlafen zu haben, auseinandersetzen. „Die WHO hätte die Krise früher erkennen und früher den Notfall ausrufen müssen. Und sie hätte auch früher handeln müssen. Selbst einen Monat nachdem der Notstand ausgerufen war, hat sie keine zusätzlichen Gelder und kein zusätzliches Personal mobilisiert“, kritisiert Professor Lawrence Gostin, der am Institut für nationales und Globales Gesundheitsrecht in Washington D.C. lehrt und seit Jahren die WHO berät. Aufgabe der Weltgesundheits-organisation ist es, weltweit Epidemien frühzeitig zu erkennen und Hilfe zu koordinieren. Die Dokumentation zeigt nochmal den genauen zeitlichen Ablauf nach Ausbruch der Seuche. Auch in den westlichen Staaten sind Fehler gemacht worden: Die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes läuft erst jetzt an, viel zu spät, wie Experten meinen. Wie viele Tote, wie viel Leid wird die Seuche noch fordern? Ein Ende ist im Augenblick nicht in Sicht.

    Unterschätzte Gefahr - Der Kampf gegen Ebola

    Mittwoch, 19. Noveber 2014 23.00 Uhr

    Film von Steven Grandison, Halim Hosny, Ulrike Brödermann

    Kamera: Fabio Basone, Robert Verdina, Bartek Klimas, Torsten Groß

    Redaktion: Paul Amberg, Hilde Buder-Monath, Beate Höbermann

Datum:

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