Drama auf einem der berühmtesten Balkone der Welt

Einzigartige 3-D-Tour durch die deutsche Botschaft in Prag

40 Jahre lang trennte eine Grenze die beiden deutschen Staaten. Innerhalb von 20 Tagen gelang das, was der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher den "entscheidenden Schlag gegen die Mauer" nannte: Tausende DDR-Flüchtlinge erzwangen in den deutschen Botschaften in Warschau und Prag ihre Ausreise - ein Jahr später folgte die Wiedervereinigung.

Es ist eine der zwei berühmtesten Balkonszenen der Welt, Romeo und Julia sollen ja nicht verschwiegen werden. Statt der Shakespear'schen Tragödie mit tödlichem Ausgang für die zwei Protagonisten bietet der Balkon der deutschen Botschaft in Prag am 30. September 1989: die Weltbühne der Politik, das Polit-Paar Außenminister Hans-Dietrich Genscher und Kanzleramtsminister Rudolf Seiters - und den glücklichen Ausgang eines Dramas, auf das die Welt wochenlang blickte.

Fluchtweg Tschechoslowakei

Bis 30. September 1989 verharrten DDR-Flüchtlinge in den deutschen Botschaften in Warschau und Prag, um ihre Ausreise zu erzwingen. In die Tschechoslowakei durften DDR-Bürger ohne Visum einreisen - das machten sich viele zunutze, die fliehen wollten.


DDR-Flüchtlinge hat es in der Prager Botschaft immer gegeben, seit das Palais Lobkowicz bezogen wurde. Die Zahl der Zufluchtsuchenden betrug konstant etwa zwischen fünf und 30, erinnert sich der damalige Botschafter Hermann Huber - je nachdem wie die Verhandlungen zwischen Innenministerium und dem DDR-Unterhändler, Rechtsanwalt Vogel, liefen.

Fast 4.000 Menschen im Schlamm

Das eigentliche "Flüchtlingsdrama" begann Mitte August. Etwa 70 Flüchtlinge aus der DDR hielten sich in der Botschaft auf - Tendenz steigend. Ab 25. August wurde sechs Zelte und zusätzliche sanitäre Anlagen im Park aufgestellt. Eines dieser Zelte diente als Schulzelt - pünktlich am 1. September wurden die Erstklässler "eingeschult".

Anfang September schlug das Wetter um, es regnete in Strömen, und der Botschaftspark verwandelte sich in eine Schlammwüste. Am 11. September waren fast 450 Zufluchtsuchende auf dem Gelände, innerhalb weniger Tage wuchs diese Zahl um das Zehnfache.

Mit Zügen in die Bundesrepublik

Nach zähem Ringen endeten die Verhandlungen am 30. September zwischen deutsch-deutschen Außenministern und der Sowjetunion mit Genschers berühmten Worten auf dem Balkon der deutschen Botschaft in Prag: "Liebe deutsche Landsleute. Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise ..." - der Rest "... möglich geworden ist" ging im Jubel unter. Mit Zügen durch DDR-Gebiet erreichten die Flüchtlinge dann bundesrepublikanischen Boden.

Die Kunde von der legalen Ausreise sprach sich in der DDR so schnell herum, dass wenige Tage später die Botschaft schon wieder voll war. Diesmal waren 5.000 Menschen gekommen, weitere 2.000 lagerten auf dem Vorplatz. Auch sie durften schließlich per Sonderzug das Land in Richtung Westen verlassen. Bis die Mauer dann endgültig fiel, waren 15.000 DDR-Bürger in drei Wellen über die deutsche Botschaft in Prag ausgereist - ein Meilenstein auf dem Weg Richtung Deutsche Einheit.

Tour durch die Geschichte

Mit einer 3-D-Tour und 360-Grad-Panoramen der deutschen Botschaft in Prag lässt ZDF.online entscheidende Momente der Tage im September 1989 wiederaufleben und zeigt, was danach geschah. Nutzer erhalten einen exklusiven Einblick in das Palais Lobkowicz. Im Vollbildmodus lässt sich der Weg der Flüchtlinge in die Botschaft nachvollziehen - ob es nun durch das Eingangstor oder über den Zaun geht. Wo schliefen die Flüchtlinge? Welchen Weg nahmen Genscher und Seiters? Videos von damals und informative Texte zeigen an unterschiedlichen Stellen der Botschaft, was sich wo abgespielt hat.

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