Drehreise mit Hindernissen

Friedrich Klütsch über Schwierigkeiten beim Dreh

Unsere historische Spurensuche wurde von der Gegenwart eingeholt. 50 Kilometer von unseren Drehorten entfernt begann der Gaza-Konflikt, der Anfang des Jahres für eine dramatische Zuspitzung der politischen Verhältnisse in Palästina sorgte.

Zangenberg am Toten Meer
Zangenberg am Toten Meer Quelle: ZDF

Die Raketen der Hamas wiesen nicht nur auf die scheinbar ausweglose wirtschaftliche und politische Situation im Gaza-Streifen hin, sie provozierten Israel auch inmitten eines Wahlkampfs. Die militärische Eskalation trat während der Dreharbeiten ein. Ahnen konnte man sie bereits vorher. Die Grenzabfertigung bei der Einreise nach Israel etwa war wesentlich schneller und viel oberflächlicher als sonst. Die ausführliche Befragung, der sich jeder Ein- und Ausreisende - und vor allem Filmteams - zu unterziehen hatte, fiel völlig aus.

Gaza-Konflikt allgegenwärtig

In Israel hatte die Konfrontation am und im Gaza-Streifen trotz der Nähe keinen direkten Einfluss auf unsere Dreharbeiten, zu deren Fortsetzung wir uns nach Rücksprache entschlossen. Im weiter entfernten Jordanien hingegen, der neuen Heimat vieler vertriebener Palästinenser, war der Gaza-Krieg allgegenwärtig. Bei unseren Gesprächen und Begegnungen sollten wir Stellung beziehen, Urteile abgeben.

Unser historisches Interesse konnte und wollte in dieser Situation kaum noch jemand teilen. Zumal das Fundstück durch die frühhebräische Inschrift auch noch eine politische Brisanz bekam. Die Tafel bewies die starke jüdische Präsenz in Westjordanien vor 2000 Jahren. Fast zwangsläufig bekamen wir Absagen. Manche Gesprächspartner verwiesen höflich auf Terminprobleme, andere bezogen sich direkt und unumwunden auf den Gaza-Konflikt.

Tradtion von Tinteninschriften?

Der Dreh in Jordanien war durch die militärische Eskalation schwieriger geworden, aber er war deswegen nicht unmöglich. Immerhin hatten wir noch die Angaben von Yuval Goren, die das mögliche Herkunftsgebiet der Steintafel auf das Ostufer des Toten Meeres eingrenzten. Und dann tat sich noch eine weitere Spur auf. Tinteninschriften schienen eine eigene Tradition östlich des Jordan aufzuweisen. Wir stießen auf die Bileam-Inschrift, einen eisenzeitlichen Text, der mit Tinte auf Putz aufgetragen worden war.

Dann gab es noch die jüdischen Grabsteine aus Soara, die in der byzantinischen Spätantike mit Tinte beschriftet worden waren. Würden diese Spuren uns helfen, die Herkunft der 'Gabriel-Offenbarung' zu klären? Mit der filmischen Recherche sind wir nicht nur dem Geheimnis einer 2000 Jahre alten Steintafel näher gekommen. Sondern auch der Gegenwart Palästinas Anfang des 21. Jahrhunderts.

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