Ein Kloster - zwei Riten

Die Benediktinerabtei Niederaltaich

Das Kloster ist einzigartig in Deutschland und weltweit gibt es nur wenige Ordenshäuser, die mit der Benediktinerabtei Niederaltaich vergleichbar sind. Der Grund: Die Mönche feiern sowohl im römischen als auch im byzantinischen Ritus Gottesdienste. Die Abtei Niederaltaich ist ein Ort gelebter Ökumene - mit engen Kontakten zu den orthodoxen Kirchen.

Während in der spätbarocken Basilika des Klosters die "Römer" gregorianischen Choral anstimmen, erklingt aus der Nikolauskirche der "Byzantiner" der mehrstimmige Psalmengesang nach russisch-orthodoxer Tradition. Den Alltag, Arbeit, Freizeit und Mahlzeiten leben die 35 Brüder und Patres in der Abtei gemeinsam, beim Beten gehen sie getrennte Wege.

Nach dem Noviziat müssen sich die jungen Mönche entscheiden, ob sie nach dem römischen oder dem byzantinischen Ritus leben möchte. Das schließt natürlich nicht aus, die Gottesdienste der jeweils anderen Tradition als Gast zu besuchen. Nur der Abt feiert regelmäßig in beiden Riten Gottesdienste. Um den Gemeinschaftscharakter innerhalb des Klosters zu unterstreichen, wird seit September vergangenen Jahres der Sonntagsgottesdienst gemeinsam abwechselnd nach römischem oder byzantinischem Ritus gefeiert.

Ein Zentrum der Ökumene

Papst Pius XI. (1957-1939) gab den Anstoß für das ungewöhnliche Projekt. 1924 forderte er die Benediktiner weltweit auf, den theologischen Dialog mit den orthodoxen Kirchen zu pflegen sowie Theologie und Frömmigkeit des christlichen Ostens im Westen bekannt zu machen. In Deutschland griff der damalige Prior und spätere Abt von Niederaltaich Emmanuel Heufelder die Idee auf. In den 1930er Jahren gelang es ihm, die Abtei gen Osten zu öffnen und sie zu einem Zentrum der Ökumene zu machen.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg zwei Russen eintraten, wurde die Tradition der Feier der byzantinischen Liturgie begründet. In mühevoller Arbeit übersetzten die Mönche die liturgischen Texte ins Deutsche, so dass interessierte Besucher den "Reichtum der byzantinischen Liturgie besser erfassen können", erklärt Abt Marianus Bieber. Der byzantinische Ritus lebe sehr stark von seinem Feiercharakter. Das werde durch den Weihrauch und den Einsatz von Kerzen unterstrichen. Die Gottesdienste beider Riten stehen für Besucher offen.

Basilika der Abtei Niederaltaich
Basilika der Abtei Niederaltaich Quelle: ZDF

Ort der Begegnung

Gegründet wurde das Kloster Niederaltaich im Jahr 731. Seitdem wurden über 50 Mönche als Äbte in andere Klöster oder auf Bischofsstühle berufen. 1803 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisierung aufgelöst und erst 1918 wieder durch die benachbarte Abtei Metten wiederbesiedelt.

Das Ökumeneinstitut der Abtei veranstaltet regelmäßig Tagungen und Seminare. Es bietet Laien und Theologen verschiedener christlicher Konfessionen die Möglichkeit zur Begegnung. Das Institut ist seit 1953 Herausgeber der Ökumene-Zeitschrift "Una Sancta", die regelmäßig über aktuelle Entwicklungen ökumenischer Theologie und Spiritualität berichtet. In den 1970er Jahren eröffneten die Mönche ein Gymnasium, das heute von rund 800 Schülerinnen und Schülern besucht wird. Seit 1962 bietet die Abtei "Kloster auf Zeit" an.

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