Ein Skandal und seine Geschichte

Ein Frau im höchsten der Männerämter?

Ist dem Vatikan vor über 1000 Jahren tatsächlich eine Frau durchgeschlüpft? Oder ist die Frau, die das höchste aller Männerämter erobern konnte, nur eine schöne Legende und Stoff für Millionenbestseller? In einer ZDF-Dokumentation geht die Journalistin und "heute"-Moderatorin Petra Gerster dem Geheimnis der Päpstin auf den Grund.

Johanna auf dem Papstthron (Spielszene)
Johanna auf dem Papstthron (Spielszene) Quelle: ZDF

"Als Papst Leo im August 855 starb, folgte ihm Johanna, das Weib, das zwei Jahre, fünf Monate und vier Tage auf dem Stuhl Petri saß." In über 500 Chroniken finden sich Berichte über die Päpstin Johanna, die in der offiziellen Kirchengeschichte heute mit keinem einzigen Wort erwähnt wird. Warum wurde die Geschichte für die einen zum Skandal, während andere in Johanna eine Heldin und Heilige erblickten?

Kriminalistische Spurensuche

Petra Gerster begibt sich wie eine Kriminalistin auf Spurensuche im "Fall Johanna". Erfanden böswillige Protestanten die Geschichte, um das Ansehen des Papsttums zu untergraben? Aber gibt es nicht Hinweise und Indizien, dass Johanna tatsächlich gelebt hat und Papst wurde? In ihrem virtuellen Labor bedient sich Petra Gerster modern- ster Ermittlungsmethoden, sie prüft Bildindizien, sichtet päpstliche Dokumente, befragt Sachverständige und lässt die Tatumstände rekonstruieren, die der Dominikaner Martin von Troppau in seiner spätmittelalterlichen "Chronik der Päpste und Kaiser" aufschrieb.

Seine Geschichte der Päpstin ist die einer klugen und wissbegierigen Frau, die sich nicht einschüchtern lässt von der Lehre der Kirche, dass Frauen minderbemittelte Geschöpfe seien. Als Mann verkleidet, wird sie zum Papst gewählt. Als der beliebte Papst während einer Prozession durch Rom zusammenbricht und ein Kind gebiert, ist die Sünderin auf dem Heiligen Stuhl entlarvt.

Indizien in Siena und Rom

Gibt es Spuren von der Päpstin Johanna an dem Ort, an dem die Legende ihren Anfang nahm? Ihre Nachforschungen führen Petra Gerster nach Siena und Rom, wo sie auf eine Reihe von Indizien stößt, die Zweifel an der offiziellen Geschichtsschreibung der Kirche wecken. Warum änderten ihre Nachfolger den traditionellen Prozessionsweg durch die Heilige Stadt? Was ist mit der Päpstinnen-Statue in Rom passiert, die der Reformator Martin Luther noch mit eigenen Augen sah? Und weshalb wurde später per Handgriff geprüft, ob der Bewerber um das Amt des Nachfolgers Petri auch eine nach der heiligen Ordnung bestückte Männlichkeit hat?

Für das Geheimnis der Päpstin werden viele Indizien ins Feld geführt, doch die kritische Wissenschaft verweist Johanna kategorisch ins Reich der Legenden. Aber die Frage bleibt, warum sich die Geschichte der Päpstin Johanna so hartnäckig halten konnte und bis heute für viele von großem Interesse geblieben ist. Petra Gersters Ermittlungen enthüllen Schritt für Schritt das Bild einer Vorkämpferin der Frauenemanzipation, die gegen alle Widerstände in der Kirche Karriere machte.

In aufwändigen Reenactments werden Schlüsselszenen des dramatischen Lebens dieser mittelalterlichen Frauenfigur nachgestellt. Die Schauspielerin Victoria Deutschmann gibt der Päpstin Johanna ihr Gesicht.

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