Eine Zensur fand nicht statt

Die Autorinnen über die Dreharbeiten

Einen Film über den Index der verbotenen Bücher zu drehen, hört sich zunächst spannend und aufregend an. Doch wie gestalten sich die Dreharbeiten an einem Ort wie dem Vatikan? Und wie und was erzählt man Spannendes, 90 Minuten lang, über Bücher?

Hände zeigen auf eine Schrift
Hände zeigen auf eine Schrift Quelle: ZDF

Schriften und Bücher: Schon nach wenigen Minuten des Abfilmens von Dokumenten und Bücherrücken würde das Publikum das Interesse verlieren. Und wie verhält man sich an einem so sensiblen Ort wie dem Vatikan? Das waren die beiden großen Herausforderung, denen wir uns immer wieder stellen mussten.

Mit Professor Wolf an unserer Seite, der seit der Öffnung der geheimen Archive der Inquisition und Indexkongregation zum Thema forscht, hatten wir einen allerseits geschätzten und akzeptierten Partner. Er öffnete uns so manche Tür. Und immer wieder stellte es sich als hilfreich heraus, dass wir unseren Film zum "Alltag im Vatikan" gerade abgedreht hatten. Durch die vielen Besuche und durch mehrmaliges Vorsprechen bauten wir über Jahre hinweg eine Vertrauensbeziehung zu vielen der hier tätigen Menschen, der Pressestelle und verschiedenen Kongregationen auf - die sich bewährte.

Film über "Zensur" ganz unzensiert

Trotzdem hat es lange gedauert, bis unserem Kamerateam tatsächlich Einlass gewährt wurde. Und während der Dreharbeiten beobachtete man, ob wir auch nur die Dokumente filmten, die wir angemeldet hatten. Ansonsten ließ man uns freie Hand. Und selbstverständlich wollten wir auch nicht, dass ein Film zum Thema Zensur selbst zensiert werden könnte. Tatsächlich fand so etwas wie Einflussnahme von Seiten des Vatikans nicht statt.

Um eine Reise durch 500 Jahre europäische Kulturgeschichte lebendig zu gestalten, schickten wir einen protestantischen Journalisten und einen katholischen Historiker in einen gemeinsamen Disput. Wolf von Lojewski stellte die drängenden Fragen, die das Publikum auch hat: Wozu Bücher verbieten? Hubert Wolf antwortete direkt darauf, argumentierte historisch, aus der Zeit heraus.

Ein aktuelles Thema

Die Zuschauer werden somit an einer unterhaltsamen und intensiven Diskussion beteiligt - pro und contra Zensur. Uns wurde bei den Arbeiten am Film auch schnell klar: Verbotene Bücher sind nicht bloß ein historisches Phänomen. Zensur ist ein Thema, das die Menschen auch heute beschäftigt - wie vor 500 Jahren.

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