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Elefanten mögen keine Drohnen

Autorin und Regisseurin Eva-Maria Gfirtner berichtet über den Dreh in Kenia

Kenia, Samburu National Park, kurz vor Morgengrauen: Seit Stunden sind wir bereits wach und packen unser Equipment. Die nächsten drei Wochen werden wir jeden Tag mit Elefanten ver­bringen. Eine traumhafte Vorstellung.

Noch vor Sonnenaufgang wollen wir bei den Elefantenherden Samburus sein – drehfertig. John, unser Fahrer, wartet bereits. Wie jeden Morgen musste er das Teamfahrzeug gegen Paviane verteidigen. Sobald die Affen auch nur eine geringe Chance wit­tern, im Auto Fressbeute zu machen, kann sie kein Schloss und keine Tür mehr aufhalten. Während John also damit beschäftigt ist, die Paviane zu vertreiben, organisieren wir Lunchboxen für unterwegs – und vor allen Dingen: viel Trinkwasser. Man weiß nie, wann man wieder zurück ins Camp kommt.

Die Tiere nicht stören

Unsere fünfköpfige Filmcrew ist ein eingespieltes Team. Seit mehreren Jahren reisen wir gemeinsam an die schönsten Flecken dieser Erde. Wir sind ein kleines Team, das verschafft uns einen Vorteil beim Drehen: Wir stören die Tiere nicht. So können wir das Verhalten von Elefanten so natürlich wie nur irgend möglich einfangen. Und auch wir selbst bleiben so flexibler, können schneller auf spontane Situationen reagieren.


Während unserer Zeit in Samburu werden uns die Wissenschaft­ler von "Save the Elephants" begleiten. An deren Hauptquartier sind wir mit Saba Douglas-Hamilton verabredet. Es ist großartig, sie endlich "in Echt" zu erleben; schon seit vielen Monaten schreiben und telefonieren wir miteinander. Saba hat uns sehr geholfen, den Dreh im Vorfeld optimal zu organisieren und ist uns mit ihrem enormen Wissen über Elefanten und die Bedingungen vor Ort zur Seite gestanden.

"Rommel", der Elefantenbulle

Kamermann Markus Strobel mit Hannes Jaenicke
Kameramann Markus Strobel mit Hannes Jaenicke in Kenia Quelle: ZDF/ Markus Strobel

Direkt vor dem Haupthaus der Forschungsstation – mitten im Nationalpark – steht ein Auto, falls man es überhaupt noch so nennen kann. Genau genommen ist es ein Schrotthaufen mit riesigen Löchern und Dellen, zur Unkenntlichkeit zusammengequetscht. Das, so erzählt uns Saba, geht auf das Konto eines Elefantenbullen. Rommel – so tauften ihn die Forscher – ist einer der größten und beeindruckendsten Elefanten, den Saba je gese­hen hat. Als der Zwischenfall mit dem Auto passierte, befand er sich in einer für männlichen Elefanten speziellen Periode, der so genannten Musth – es ist eine Phase der erhöhten Aggressivi­tät, in der die Bullen viele Kämpfe untereinander austragen.


Ein Kampf traf offensichtlich das Auto der Forscher. Rommel tauchte bislang nur wenige Male im Samburu Nationalpark auf. Seltsamerweise jedoch immer dann, wenn gerade eine Filmcrew anwesend war. Mit einem leicht mulmigen Gefühl machen wir uns auf den Weg in die Savanne. Dank Sabas Kenntnissen müssen wir die erste Elefantenherde nicht lange suchen. Vor uns taucht eine riesige auf: die Royal Family. Mehr als 40 Tiere. John, unser Fahrer, weiß, wie er unse­ren Landcruiser am besten positioniert. Und auf einmal sind wir mittendrin. Um uns herum sind nur noch Elefanten. Diese majes­tätischen Tiere aus der Nähe zu sehen, sie zu riechen, ihr leises Brummeln zu hören, ist gigantisch. Den ganzen Tag lang werden wir dieser Herde nicht mehr von der Seite weichen, ihre Wander­wege begleiten. Schon nach einigen Stunden fängt man an, die verschiedenen Persönlichkeiten der Tiere zu erkennen. Manche sind neugierig, manche schüchtern, andere total verspielt. Doch jeder einzelne von ihnen – soviel ist sicher – ist hochsozial. Es wird Rücksicht aufeinander genommen, die älteren Tiere schüt­zen die Kleinen. Erstaunlich ist, dass Elefanten total schreckhaft sind. Die größten Landsäugetiere der Welt machen einen Riesen­satz, wenn vor ihnen ein Vogel aus dem Busch auffliegt oder eine kleine Antilope zu nah hinter ihnen vorbeiläuft!


Schreckhafte Elefanten

Auch wir müssen mit unserem Auto aufpassen, dass wir die Herde nicht erschrecken. Saba erzählt, dass Elefanten es über­haupt nicht mögen, wenn man sich ihnen von hinten nähert. Doch das lässt sich in Samburu leider nicht wirklich vermeiden. Der wunderschöne Nationalpark ist nämlich ziemlich buschig. Hinter jeder Biegung kann also im meterhohen Gestrüpp ein Elefant ste­hen. Und nicht selten tut er das auch. Wir geraten immer mal wieder mit unserem Auto in folgende Situation: Elefant steht und frisst, kaum einen Meter vor uns. Elefant bemerkt uns, kommt langsam auf uns zu, starrt. Offensichtlich überlegt er, was zu tun ist, ob von uns eine Gefahr ausgeht – für ihn und die Herde. Wenn man sich jetzt richtig verhält, kann eigentlich nichts passie­ren. John, unser versierter Fahrer, schaltet den Motor aus und mahnt zur Ruhe. Nach ein paar lange Minuten drehen die Ele­fanten dann meist ab. Apropos schreckhafte Elefanten! Wir haben einen Quadkopter im Gepäck – eine Kamera-Drohne für Luftaufnahmen. Dann kommt sie zum Einsatz: Endlose Savanne, vor uns eine riesige Elefan­tenherde, noch dazu wenig Wind – der perfekte Zeitpunkt. Nach wenigen Minuten sind wir startklar, der Kopter hebt ab und fliegt in Richtung Elefanten.


Das aufgezeichnete Bild wird zur unserer Kontrolle auf einen klei­nen Monitor übertragen. Sobald die Kamera bis auf wenige Meter an die Herde heranfliegt, sehen wir, dass Unruhe aufkommt. Die Elefanten versuchen, das Geräusch einzuordnen, werden panisch und laufen in alle Richtungen auseinander. Saba Douglas-Hamil­ton gibt uns schließlich das Kommando zum Abbruch. Alle sind erstaunt. Doch beinahe jedes Mal – es sei denn, der Wind steht günstig und weht das Geräusch weg – passiert dasselbe. Die Elefanten Samburus mögen keine Drohne. Warum das so ist? Darauf können wir uns irgendwie keinen Reim machen.

Angst vor Bienen

Erst später erfahren wir, woran das liegt. Mittlerweile sind wir im Tsavo Nationalpark, im Südosten Kenias unterwegs. Dort doku­mentieren wir ein schlaues und beeindruckendes Community-Projekt der Biologin Dr. Lucy King. Sie hat herausgefunden, dass Elefanten Angst vor Bienen haben! Und da dämmert es uns – die Drohne macht beim Fliegen ein ähnliches Geräusch wie eine Horde aggressiver Insekten! Kein Wunder, dass die Elefanten panisch durcheinandergelaufen sind! Aber genau das ist das Schöne am Naturfilm. Manche Dinge lassen sich einfach nicht planen, und das macht unseren Job zu einem der schönsten der Welt!

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