Erlaubnis zu Predigen

Franziskus und seine Gefährten reisen nach Rom

Zwölf Gefährten hat Franziskus inzwischen um sich geschart. Neben der Arbeit an den Kirchengebäuden kümmert sich die Gemeinschaft um Arme und Aussätzige. Doch Franziskus will mehr, er möchte die Erlaubnis zu predigen. Aber er ist weder Mönch noch Priester. Innozenz III Einverständis, Franziskus als Wanderprediger ziehen zu lassen, scheint wie ein Wunder. Doch das Privileg der Armut wird Franziskus lebenslang verwehrt sein.

Franziskus mit Gefährten auf dem Weg nach Rom

Darf ein theologischer Laie die Botschaft Christi verkünden? "Die Billigung Christi hatte Franziskus. Er war ganz sicher, das zu tun, was Gott wollte, für ihn und für die Welt," erklärt Theologe Professor Helmut Feld: "Aber Franziskus wollte ja die Kirche bekehren, über den Hochklerus. Ein berühmtes Wort von ihm ist: 'Wenn wir erst die Prälaten bekehrt haben!' Er wollte die Prälaten bekehren, und er fing beim Papst an!"

Franziskus - der Retter der Kirche?


Franziskus will als Wanderprediger auch die Kirche verändern. Ausgerechnet den Papst bittet er dafür um Erlaubnis. Das Schicksal der Bittsteller sollte ein Traum des Papstes entscheiden. Das Oberhaupt der römischen Christen sieht seine Kirche vom Einsturz bedroht. Einzig ein junger Mann, ärmlich wie ein Bauer gekleidet, kann den Zusammenbruch verhindern. Ist Franziskus der gesuchte Retter der Kirche oder eine Gefahr für ihren Fortbestand?

Fresko: Franziskus beim Papst

Im 13. Jahrhundert wird die Einheit der Kirche von außen und innen bedroht. Dass der Papst in Franziskus den Mann sieht, der eine Spaltung verhindern kann, grenzt an ein Wunder: "Diese Begegnung des Franziskus mit Innozenz III. war schon so etwas wie eine Sternstunde. Also das war etwas ganz Einmaliges, es hat sich auch nicht wiederholt. Innozenz III. hat nur mündlich sein Einverständnis gegeben - er sagte, jetzt zieht mal, und in einigen Jahren wollen wir dann sehen, wie weit ihr gekommen seid," meint Professor Helmut Feld.

Besitzlosigkeit als Provokation

Die Kapelle namens Porziuncula unterhalb von Assisi wird zum Stützpunkt der Gemeinschaft der Wanderprediger. Zweimal im Jahr trifft man sich hier. Aber selbst diese bescheidene Stätte wollen die die Gefährten des Franziskus nicht besitzen. Ein Korb frischer Fische dient symbolische Mietzahlung an die Benediktinermönche, denen das Grundstück eigentlich gehört.

Für Franziskus ist die symbolische Zahlung sichtbares Zeichen für die Besitzlosigkeit seiner Gemeinschaft. Weder Klosterbauten noch Kathedralen sollen in seinem Namen entstehen. Der Verzicht auf Eigentum soll zum wichtigsten Merkmal der 'Minderen Brüder' des Franziskus werden, und zu einem Vorwurf an die Kirche: "Die Forderung der Armut im Sinne des Franziskus war ja eine große Provokation für die Kirche, für die mittelalterliche Kirche, die ja ein Machtapparat war, und zwar ein reicher Machtapparat", so Professor Helmut Feld.

Privileg der Armut versagt

Der Kirchenapparat lehnt Franziskus Forderung der Armut ab. Der Kampf um das Vorrecht, besitzlos zu sein, füllt Bände. Franziskus bleibt es zeitlebens verwehrt. Das einzige, jemals von einem Papst gewährte Privileg zur Armut, dokumentiert den späteren Triumph einer Frau. Das kostbare Schreiben wird in der Schatzkammer der Kirche von Santa Chiara aufbewahrt und richtet sich an Klara von Assisi. Von Anfang an ist Franziskus Klaras wichtigster Förderer.

Klara will Franziskus auf dem Weg der Armut folgen. Sie bittet Franziskus, ihr die Haare abzuschneiden, will damit deutlich machen, dass sie sich von ihrem alten Leben trennt. In einem feierlichen Akt wird Franziskus zum Paten für Klara und ihre Bewegung. Die Theologin Dr. Kreidler-Kos weiß als Klara-Biographin: "Während dieses Festes setzt Franziskus dieses Zeichen, dass er Klara die Haare abschneidet und ein neues Gewand, sprich einen alten Mantel gibt, um Äußerlich sichtbar zu machen, dass diese Frau wirklich eine Entscheidung getroffen hat."

Der erste Frauenorden


Das nächtliche Ereignis führt zur Gründung des ersten Frauenordens, der nach eigenen Regeln lebt. "Das besondere an der Gemeinschaftsgründung Klaras ist, dass auch Frauen die Nachfolge des armen Christus leben, dass Armut auch eine weibliche Berufung sein kann", erklärt Dr. Kreidler-Kos.


Das Recht auf Armut haben sie erstritten. Der Weg der Wandermission aber bleibt für Frauen verschlossen. Während Klara den Rest ihrer Tage in der selbstgewählten Klausur verbringt, führt Franziskus das entbehrungsreiche, aber auch freie Leben eines Wanderpredigers.

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