Eroberer und frommer Christ

Karl der Große erweitert das Reich der Franken

Mit 23 Jahren wurde Karl der Große zum Herrscher über halb Europa. Er hatte ehrgeizige Ziele: Den Machtanspruch der Karolinger wollte er festigen und ausweiten. Zugleich bekehrte er die unterworfenen Völker zum Christentum.

Statue von Karl dem Großen in Paderborn Quelle: ZDF

Als er im Jahr 771 nach Christus zum alleinigen König der Franken wurde, herrschte Karl der Große über ein Gebiet, das dem heutigen Frankreich, der Alpenregion und einem großen Teil Deutschlands entsprach. Sein Großvater und sein Vater hatten vor ihm den Aufstieg seiner Familie im Frankenreich vollendet. Sein Vater war der erste Karolinger gewesen, der auch König wurde.

Blutiger Kampf

"Er hat sich gewiss von vorneherein vorgestellt, dass er diesen Machtanspruch weiter festigen und ausweiten würde", deutet der Historiker Rudolf Schieffer. Die Franken hatten die Römer von der Macht verdrängt, aber die Religion des Römischen Reichs hatten sie übernommen: Sie waren Christen geworden. Kirchen und Klöster bildeten Zentren der kulturellen Entwicklung.


Gleichzeitig tobte zwischen christlichen Franken und heidnischen Sachsen ein blutiger Kampf um Macht und Religion. Zeit seines Lebens schwankte Karl der Große zwischen zwei Extremen: Er war zugleich brutaler Eroberer und frommer Christ. Der Historiker Lutz von Padberg charakterisiert ihn so: "Er war jemand, der ordentlich draufschlagen konnte, der aber auf der anderen Seite wirklich Christ sein will." Er wollte den Glauben ausbreiten - allerdings auch mit militärischen Mitteln.

Im Grenzgebiet zwischen Sachsen und Franken entstand ein Konflikt. Gegenseitige Überfälle nahmen zu. Im Jahr 772 beschloss Karl der Große einen Kriegszug gegen die Sachsen. In seinen Augen waren die Sachsen Wilde, weil sie keinen König hatten und Götzen anbeteten. Karl wollte kurzen Prozess mit ihnen machen - "mit jugendlichem Ungestüm", wie Historiker von Padberg meint.

Missionierung mit dem Schwert

Auf seinem Zug kam das Heer Karls des Großen mit hoher Wahrscheinlichkeit an den Externsteinen im Teutoburger Wald vorbei. Das außergewöhnliche Naturdenkmal nährt seit Langem Spekulationen. Befand sich hier in vorchristlicher Zeit eine Kultstätte? Versteckten sich die Sachsen hier vor Karls Truppen?

Zwangstaufe Quelle: ZDF


Das Heer zog weiter nach Osten zur sächsischen Eresburg beim heutigen Obermarsberg im Sauerland. Die Kirche Peter und Paul steht heute genau da, wo sich einst die sächsische Festung befand. Karl besiegte die Sachsen, die sich ihm dort in den Weg stellten.

Die Christianisierung der Heiden ging mit dem Feldzug Hand in Hand. Wer die Taufe verweigerte, wurde getötet. Karl missionierte mit dem Schwert. "Es war nicht vorstellbar, dass das Frankenreich sich vergrößern würde um ein ganzes Volk, das dann als Heiden im christlichen Frankenreich lebte", erklärt der Historiker Rudolf Schieffer.

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