Erste Christen kannten keine Hölle

Wann Luzifer auf die Welt kam

Das Christentum lehrt, dass Gottvater seinen Sohn als Erlöser auf die Erde schickte, um die Menschheit durch seinen Opfertod am Kreuz von Sünde, Tod und Teufel zu befreien. Drei Tage verbrachte Gottes Sohn im Reich der Toten. Am dritten Tag, so berichten die Evangelien, sahen die Frauen den Stein weggewälzt vom Grab und fanden den Leichnahm Jesu nicht. Jesus war von den Toten auferstanden, wie er es angekündigt hatte. So glaubten es seine Jünger und die Frauen.

Die frohe Botschaft verbreitete sich rasch, fand auch in Rom Anhänger. Dort wurden die ersten Christen,die nicht den Göttern der Römer opfern wollten, zunächst als Sekte verfolgt. Die junge Gemeinde aber glaubte fest an die baldige Auferstehung nach dem Tod. Gewaltige Grabkammern unterhalb der Stadt wurden zum Ort ihrer Heilserwartung. Wandmalereien aus dieser Zeit zeigen Jesus als gnädigen Weltenrichter.

Der Tod war nichts schreckliches

Höllensturz
Höllensturz Quelle: ZDF


Der Kirchenhistoriker Christoph Markschies erklärt: "Der Tod war sicher für die Generation, die Jesus von Nazareth selber noch kannte oder seine ganz unmittelbaren Nachfolger, nichts furchtbar schreckliches. Man dachte: Entweder kommt der Herr noch zu unseren Lebzeiten, oder wir sind nach dem Tod schon gleich bei ihm." Freudig, in Erwartung des Paradieses, legten die Märtyrer Zeugnis vom christlichen Glauben ab.


Der fand bald im gesamten römischen Weltreich neue Anhänger. Selbst wer zuvor heidnischen Gottheiten huldigte, ließ sich nun taufen. Um die Seelen der Gläubigen zu schützen, entwickelten führende Theologen der Spätantike die christliche Vorstellung von der Hölle: ein System von Heil und Unheil, Belohnung und grausamster Bestrafung. Während man sich in den ersten Jahrhunderten relativ klar darüber war, dass alle guten Christen in den Himmel gehen, wurde in dem Augenblick, wo das Christentum zur Religion des Römischen Reiches wird, die Frage aufgeworfen, wie man mit den vielen bösen Menschen umgehen muss, die nicht mit Ernst Christen sein wollen?

Luzifer und gefallene Engel

Die Offenbarung des Johannes berichtet von einem Aufstand gegen den Schöpfer der Welt: "Und er griff den Drachen, die alte Schlange, das ist der Teufel und der Satan, und warf ihn in den Abgrund." Mit den gefallenen Engeln ist das Böse auf der Erde angekommen. Luzifer und seine Scharen mussten büßen für den Versuch, ihren Schöpfer zu stürzen. Das höllische Feuer tief im Erdinneren wird nun Stützpunkt des Höllenfürsten. Und kein Mensch ist mehr vor ihm sicher.

Glutlawine Quelle: ZDF


Gelehrte des Mittelalters hefteten sich an seine Spuren, suchten nach dem Einschlagkrater, den Luzifer bei seinem Sturz auf die Erde hinterlassen hatte. Am Grund von brodelnden Seen, in rauchenden Kratern unter Feuer speienden Vulkanen wurde das Territorium des Teufels lokalisiert. Hier irgendwo, so glaubte auch das fromme Volk, musste der Eingang zum Reich des Bösen liegen. Seit jeher wurden überall auf der Welt Orte als "Tor zur Hölle" bezeichnet.

Naturwissenschaft aus Höllenangt

Kirche benutzt Hölle als Druckmittel
Kirche benutzt Hölle als Druckmittel Quelle: ZDF


So galt auch der fauchende Vesuv als Einstieg. Denn ewige Qualen in Feuer und Schwefel konnte man sich am besten unter Vulkanen vorstellen. Doch gefunden wurde der Eingang zur Hölle nie. Trotzdem beflügelte das Territorium des Teufels die Wissenschaft des Mittelalters. Auch Galileo Galilei wollte die Hölle nach wissenschaftlichen Maßstäben beschreiben. Dabei geriet die Wissenschaft allmählich in Widerspruch zum biblischen Weltbild. So kann man sagen, die Angst vor dem Jüngsten Tag hat die europäische Naturwissenschaft hervorgebracht. Das konnte die Kirche nicht zulassen: Nur sie selbst vertrat die reine Lehre. Wer ihr widersprach, wurde als Häretiker verfolgt. Wer nicht widerrief, als Ketzer verbrannt.

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