Es begann mit einer Lüge

Zehn Jahre nach dem Irak-Krieg

Ein ganz besonderer Flüchtling beantragte 1999 Asyl in Deutschland. Rafid Ahmed Alwan behauptete, Mitarbeiter einer Anlage im Irak gewesen zu sein, in der chemische Kampfstoffe hergestellt würden. Stundenlang, tagelang wurde er vom BND verhört. Der deutsche Geheimdienst gab die Aussagen an die US–Administration weiter, unter dem Vorbehalt, dass es Zweifel an der Glaubwürdigkeit gäbe.

Von den Amerikanern bekam der vermeintliche Zeuge den Codenamen „Curveball“, wie jene angeschnittenen Bälle, die beim Baseball kurz vor dem Ziel die Richtung ändern. Die Regierung Bush verwendete seine Aussagen später als Beweis für Bagdads angebliche unerlaubte Waffenprogramme. Der damalige US-Außenminister Colin Powell präsentierte sie sogar mit nachdrücklichen Zeichnungen im Februar 2003 vor dem UN–Sicherheitsrat. DAS war die Begründung für den Einmarsch  der sogenannten „Koalition der Willigen“ in den Irak. Der Krieg begann am 20. März 2003.

Es gab keine Massenvernichtungswaffen

Später stellte sich heraus, dass Curveball die Inhalte seiner Aussagen frei erfunden hatte. Die Weltmacht USA war blamiert. Der Irak aber war da längst erobert und Saddam Hussein gestürzt. Massenvernichtungswaffen, der eigentliche Grund des  Einmarsches in den Irak, wurden nie gefunden. Haben die Geheimdienste versagt oder waren die Aussagen von Curveball willkommen, um einen Krieg gegen den Irak zu rechtfertigen?

10 Jahre nach dem Beginn des Krieges will die Dokumentation „Es begann mit einer Lüge – Deutschland und der Irak-Krieg“ den Ereignissen im Vorfeld nachgehen. Welche Gründe gab es für die offensichtlichen Unwahrheiten? Warum lehnte es die damalige Bundesregierung unter Schröder/Fischer ab, sich an dem Krieg gegen den Irak zu beteiligen?

Die Dokumentation in Zusammenarbeit mit der BBC zeigt u.a., wie die Aussagen eines einzigen Informanten von der Weltmacht USA genutzt wurde, um einen umstrittenen Krieg zu führen. Im Mittelpunkt steht ein langes, exklusives Fernsehinterview mit Curveball. Anhand der Aussagen von damals Beteiligten wie Joschka Fischer, dem damaligen deutschen Botschafter bei der UN, Gunter Pleuger und ehemaligen CIA Mitarbeitern entsteht ein Bild darüber, wer wen benutzt hat, um den Einmarsch in den Irak zu rechtfertigen.

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