Fest zu Ehren der Eucharistie

Die Bedeutung von Fronleichnam

Am zweiten Donnerstag nach Pfingsten feiert die katholische Kirche Fronleichnam. Das Fest erinnert an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern vor dem Leiden und Sterben. Im Mittelpunkt des Festes steht die Eucharistie, die Überzeugung der Gläubigen, dass in der Hostie Christus gegenwärtig ist.

Kleines Mädchen läuft über ein Blumenbeet an Fronleichnam Quelle: ZDF

Zum ersten Mal wurde Fronleichnam 1246 in Lüttich gefeiert. In den meisten Gemeinden finden an dem Tag Gottesdienste im Freien statt. Anschließend ziehen die Gläubigen in Prozessionen durch die Straßen.

Nach katholischer Tradition setzte Jesus beim letzten Abendmahl die Eucharistie ein, als er das Brot brach und an seine Jünger verteilte und den Kelch mit Wein in die Runde gab. Brot und Wein stehen für Leib und Blut Christi. Bei jeder Heiligen Messe findet nach katholischem Glauben diese Wandlung von Brot in Leib und Wein in Blut Christi statt, so dass dieser real präsent ist.

Neue Eucharistiefrömmigkeit

Während des 13. Jahrhunderts kam eine neuartige Eucharistiefrömmigkeit in frommen Frauenkreisen auf. In einer Vision erschien der Augustinernonne Juliana von Lüttich eine Mondscheibe mit einem dunklen Fleck am Rand - ein Hinweis auf das Fehlen eines Festes zu Ehren der Eucharistie.


Wenige Jahre später wurde Fronleichnam - der Name setzt sich aus den Worten "fron" (= Herr) und "lichnam" (= lebendiger Leib) zusammen - von Papst Urban IV. zum allgemeinen Fest der Kirche erklärt. Eigentlich müsste das Fest an Gründonnerstag, dem Tag des letzten Abendmahls gefeiert werden, dieser Termin schien jedoch in der Passionswoche als unangebracht und wurde daher auf das Ende des Osterzirkels verschoben.

Prozession mit Hostie im Zentrum

Charakteristisch für Fronleichnam ist die Fronleichnamsprozession, welche erst einige Jahre nach der Einführung des Festes in Köln entstand. Bei der Prozession trägt der Priester die Monstranz mit der gewandelten Hostie durch die Straßen und erteilt an vier Stellen nach allen Himmelsrichtungen den Segen. Das Schreiten und Beten symbolisiert den christlichen Lebensvollzug, das Pilgern und das Ziehen durch die Zeit, Gott entgegen. Darauf bezieht sich übrigens auch das Motto des Katholikentages in Osnabrück: "Du führst mich hinaus in die Weite".

"Allerschädlichstes Jahresfest"

Im Reformationsstreit bekam Fronleichnam für die katholischen Gläubigen eine besondere Bedeutung. Während die Lutheraner, die Prozessionen generell als Gotteslästerung verurteilten, Fronleichnam wegen seines fehlenden biblischen Bezuges ablehnten - Luther bezeichnete es als "allerschädlichstes Jahresfest" - wurde es von den Katholiken umso mehr gefeiert. Es bekam einen demonstrativen Akzent.

Die Prozession wurde noch größer und festlicher als zuvor: Subdiakone, Diakone, Priester, Nonnen, Mönche und Messdiener zogen mit Fahnen, Schellen und Weihrauch durch die festlich geschmückten Straßen, begleitet von einer Schar singender Gläubiger. In den vergangenen Jahren hat sich der Gegensatz zwischen den Konfessionen etwas abgeschwächt. So gab es selbst auf evangelischen Kirchentagen in den letzten Jahren wiederholt gemeinsame Fronleichnamsprozessionen.

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