Franziskus - Der Papst der Armen

Papst seit zwei Jahren im Amt

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Seine Wahl war eine Überraschung, sein Pontifikat ist es erst recht: Papst Franziskus, der erste Papst aus Lateinamerika, verordnet der katholischen Kirche eine radikale Wende.

Beitragslänge:
43 min
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Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 12.03.2020, 18:50

Zwei Jahre ist Papst Franziskus im Amt. Er begeistert weltweit viele Menschen, weit über die katholische Kirche hinaus. Zugleich mehren sich kritische Stimmen: Franziskus packe notwendige Reformen nicht beherzt genug an und er schade sich und der Kirche mit unbedachten Äußerungen.

Katholiken weltweit hoffen noch immer, dass Franziskus neben den Strukturen auch die Lehre der katholischen Kirche verändern wird. Die Konservativen in der katholischen Kirche hingegen fürchten Reformen in der Lehre und sehen die Gefahr eines Schismas.

Zwei Jahre nach der Wahl von Jorge Mario Bergoglio zum Papst ist noch nicht klar, wohin die Reise des Schiffs "katholischen Kirche" mit dem ersten Jesuiten auf dem Stuhl Petri gehen wird. Nur eines steht fest, der Steuermann geht ungewöhnliche Wege. Er wohnt nicht im Apostolischen Palast, sondern im vatikanischen Gästehaus. Er nutzt nicht die schwarze Limousine, sondern fährt Bus oder einen einfachen Mittelklassewagen. Bergoglio will als Papst auch Mensch sein. Das kommt an, auch weit über die Grenzen der katholischen Kirche hinaus.

Für die Armen und Ausgegrenzten

Franziskus ist ein politischer Papst. Seine scharfe Kapitalismuskritik stößt nicht nur in den Ländern des Südens auf Zustimmung. Mit seiner Botschaft "Der Mensch geht vor Kapital" findet er auch in den Industrieländern viel Unterstützung. Dass ihn seine Kritiker als Marxisten beschimpfen, lässt Franziskus kalt. Er sieht sich mit seinen Worten und Gesten ganz in der Spur des Jesus von Nazareth, der sich auch um die Armen und Ausgegrenzten gekümmert habe.

Zwei große Projekte hat Franziskus angestoßen: Zusammen mit den Kardinälen der K9, des Kardinalsrats, bereitet er eine Reform der römischen Zentrale der katholischen Kirche vor. Das Vorhaben kommt nur langsam voran. Das liegt zum einen an der Komplexität des Vorhabens, zum anderen aber auch an den Widerständen innerhalb der Kurie. Dazu kommt, dass der Papst das Vorhaben möglichst breit diskutieren möchte. Ein solcher Prozess braucht Zeit.

Das gilt auch für die Beratungen zum Thema Ehe und Familie. Dazu hat der Pontifex einen synodalen Prozess gestartet. In mehreren Etappen will er mit Bischöfen und Kardinälen darüber diskutieren, wie die Kluft zwischen der katholischen Lehre und der Lebensrealität der Menschen geschlossen werden kann. Konservative wie der US-amerikanische Kardinal Raymond L. Burke klagen, Franziskus halte das Steuerrad des Schiffes Kirche nicht fest in Händen. Durch die vom Papst ausdrücklich gewünschte offene Diskussion über den Kurs der Kirche würden die Gläubigen verwirrt, lautet der Vorwurf.

Äußerungen sorgen für Schlagzeilen

Nach zwei Jahren fällt die Bilanz des bisherigen Pontifikats daher durchaus gemischt aus. Zumal Franziskus gerade in den letzten Wochen mit mehreren Äußerungen für Irritationen gesorgt hat. Der Faustschlag bei einer Beleidigung seiner Mutter, der Hinweis, um ein guter Katholik zu sein, müsse man sich nicht wie die Karnickel vermehren und sein Okay für einen Klapps auf den Hintern bei der Erziehung von Kindern stießen auf Verwunderung und scharfe Kritik. Es ist die Kehrseite der von vielen so geschätzten Spontaneität dieses Papstes.

Die Vorgänge zeigen, dass Franziskus auch nach zwei Jahren im Amt noch immer lernen muss, was es heißt, Papst zu sein. Umgekehrt können sich auch viele Katholiken noch immer nur schwer an den neuen Stil gewöhnen. Damit bleibt es spannend mit dem ersten Papst aus Lateinamerika auf dem Stuhl Petri.

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