Freiwillige im Einsatz

Deutsche Hospitalité hilft alten und kranken Pilgern

Sechs Millionen Pilger kommen jedes Jahr nach Lourdes, die meisten von ihnen sind alte, kranke oder behinderte Menschen. Für die Verantwortlichen des Heiligtums ist das eine große logistische Herausforderung, die nicht ohne die vielen freiwilligen Helfer zu bewältigen ist.

Die Straßen des kleinen Städtchen Lourdes in den südfranzösischen Pyrenäen sind eng, die Unterkünfte weit verstreut und im Wallfahrtsbezirk selbst ist oft wenig Platz für die großen Massen. Ohne die Mitarbeit Tausender Ehrenamtlicher würde Lourdes im Chaos versinken. Die Freiwilligendienste werden von der Hospitalité Notre Dame de Lourdes organisiert, unter ihnen ist die Deutsche Hospitalité.

Dienst am Menschen


Maresa von Türkheim-Böhl kommt bereits seit 48 Jahren regelmäßig als Ehrenamtliche nach Lourdes. Für sie ist es selbstverständlich zu helfen. Ihre Aufgabe sieht sie nicht als Arbeit, sondern als Dienst an den alten und kranken Menschen. Dafür nimmt sie gerne die Strapazen auf sich, jedes Jahr mindestens einmal aus der Nähe von Freiburg in das 1200 Kilometer entfernte Städtchen in den südfranzösischen Pyrenäen zu fahren. "Es gibt mir Kraft, es stärkt mich im Glauben. Gleichzeitig bedeutet es, eine soziale Aufgabe zu haben." Die eigenen Sorgen würden relativiert, wenn man das Schicksal der anderen hier miterlebt, berichtet die 55-Jährige.

Als erfahrene Mitarbeiterin ist sie mittlerweile in der Ausbildung und Begleitung junger Ehrenamtlicher tätig. Dazu gehört Andreas Hagen. Der Schweriner ist 2008 das zweite Mal als Freiwilliger in Lourdes. Zur katholischen Kirche hat er ein distanziertes Verhältnis; für ihn steht das Helfen im Vordergrund: "Wenn ich einem alten oder behinderten Menschen helfe und er mir dann ein Lächeln schenkt oder mit einer Berührung seinen Dank ausdrückt, ist das Lohn genug für mich."

Ganzkörperbad für Gesund und Kranke

Baronin von Türkheim-Böhl und Andreas Hagen arbeiten in diesem Jahr in den "Piscines", den Bädern. 400.000 Pilger - Gesunde und Kranke - kommen jedes Jahr, um in den 17 Steinwannen ein Ganzkörperbad im 12 Grad kalten Wasser von Massabielle zu nehmen. Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer stehen ihnen dabei zur Seite. "Man braucht einen guten Rücken", erklärt Maresa von Türkheim-Böhl. Sechs Stunden dauert eine Schicht.


Die Freiweilligen tauchen die Pilger drei Mal ins Wasser ein; vor allem bei Kranken und Behinderten, die auf Bahren eingetaucht werden, ist die Arbeit beschwerlich. Begleitet wird das Bad von einem Gebet. Über der Wanne auf einem kleinen Mauervorsprung steht eine kleine Statue der "weißen Dame von Lourdes". Der Ritus erinnert an die Taufe. In der Nähe der Quelle heißt es in einer Inschrift: "Wascht euer Gesicht und bittet Gott, euer Herz zu reinigen."

Ehrenamtliche aus ganz Europa

7000 Freiwillige arbeiten jedes Jahr in Lourdes. Sie kommen aus ganz Europa, um für acht Tage ihren Dienst zu tun - als Ordner an der Grotte von Massabielle oder bei der abendlichen Lichterprozession, in den Kranken-Hospizen und am Bahnhof oder Flughafen bei der An- und Abreise der Pilger. Meist arbeiten die Ehrenamtlichen in internationalen Teams zusammen, damit die Hilfesuchenden stets einen Ansprechpartner in ihrer Muttersprache finden. Im Laufe der Jahre haben sich in den verschiedenen Ländern die Helfer in nationalen Hospitalités organisiert. So können die Mitarbeiter leichter den Kontakt untereinander halten.

Die Deutsche Hospitalité zählt mit knapp 200 Mitgliedern zu den kleineren Nationalgruppen. Vor allem die Franzosen, Italiener und Spanier sind mit einer großen Zahl Ehrenamtlicher in Lourdes vertreten. Die Helfer müssen für ihre Unterhalts- und Reisekosten selbst aufkommen. Fachliche Vorkenntnisse sind nur an ganz wenigen Einsatzorten gefordert. Die Freiwilligen erhalten vor Ort eine Einführung in ihre Arbeit und werden von erfahrenen Ehrenamtlichen im Einsatz begleitet.

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