Friedensstifter im Heiligen Land

Abt Benedikt Lindemann und die Benediktiner in Jerusalem

"Es widerspricht den Heiligen Orten, wenn man Kriege um sie führt. Es ist paradox: Jeder sucht das Heil und jeder beansprucht die Wahrheit für sich selbst. Wir müssen dahin kommen, dass wir einander respektieren", sagt Abt Benedikt Lindemann, der mit Nina Ruge in über heilige Orte spricht, über Bethlehem und Jerusalem - Orte, wo Glauben und Krieg so nah beinander liegen.

Benedikt Lindemann und Nina Ruge

Benedikt Lindemann ist seit 1995 Abt der Benediktinerabtei Abtei in Jerusalem. Der gebürtige Sauerländer hatte zunächst nicht vor, Ordensmann zu werden. Der Beruf des Lehrers stand ganz oben auf seiner Wunschliste.

Doch die Einberufung zum Wehrdienst brachte die Wende. Zur Vorbereitung auf das Verfahren zur Wehrdienstverweigerung las er in der Bibel. Das führte ihn zu der Gewissheit, dass es einen tieferen Frieden geben müsse, als die Welt ihn bietet. Der erste Schritt zu einem Leben in der Nachfolge des heiligen Benedikt war getan.

Spirituelle Brücken bauen

Jerusalem


An seinem Wirkungsort in Jerusalem ist der Frieden weit entfernt. Die Abtei steht auf der Demarkationslinie zwischen Ost- und Westjerusalem - dort, wo der Legende nach Maria entschlafen ist. Daher kommt auch der Name "Dormitio-Abtei". Die Benediktiner sind damit mittendrin im Herzen des Heiligen Landes, im Herzen Jerusalems, dem geistlichen Zentrum von Judentum, Christentum und Islam. Für Abt Benedikt ist es ein guter Ort, um spirituelle Brücken zu bauen.

Die Benediktiner engagieren sich daher auch aktiv in der Versöhnungsarbeit zwischen Palästinensern und Israelis. Weil sie keine Macht hätten, seien sie von beiden Seiten als Dialogpartner akzeptiert, so Abt Benedikt. Die Mönche stellen das Klostergelände als neutrales Terrain für Gespräche und Begegnungen zur Verfügung. Lindemann und seine Mitbrüder entwickelten das Konzept der Friedensakademie "Beit Benedikt", die beide Seiten zum Dialog in das Kloster einlädt. Im Sinne der benediktinischen Gastfreundschaft ist es für sie selbstverständlich, einen Platz zu bieten, der ökumenische und interreligiöse Begegnungen ermöglicht, die notwendig sind, um Frieden zu schaffen.

Vorurteile abbauen

Die Mönche unterstützen Opfer von Selbstmordattentätern und helfen palästinensischen Bauern, die durch den Mauerbau Land verloren haben. Im Sommer laden sie behinderte Kinder auf ein Klostergelände am See Genezareth ein. Dort können junge Israelis und Palästinenser gemeinsam die salzhaltigen Thermalquellen genießen. Sowohl "Beit Benedikt" als auch die sozialen Einrichtungen wie etwa die Jugend- und Behindertenbegegnungsstätte in Tabgha, dienen dazu, dass die Vorurteile abbauen. Für sein Engagement erhielt Abt Benedikt 2004 den Göttinger Friedenspreis.

Die Friedensarbeit ist das ganz praktische Engagement der Benediktiner im Heiligen Land. Für junge Theologinnen und Theologen bieten sie darüber hinaus in der Dormitio-Abtei ein ökumenisches Studienjahr an. Zwei Semester können die Theologen im Land der Bibel leben und lernen. Im Mittelpunkt des Studiums stehen die Heilige Schrift, Archäologie, Ökumene sowie das Judentum und der Islam. Sie nehmen auch an den liturgischen Feiern de Abtei teil; denn getreu der Grundregel der Benediktiner "ora et labora" (bete und arbeite) ist die Dormitio-Abtei auch ein Ort tiefer Spiritualität, des Gebets und der Liturgie.

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