"Fürchte Dich nicht"!

Engel als göttliche Boten im neuen Testament

In der christlichen Überlieferung spielt der Glaube an die Engel eine bedeutende Rolle, jedoch ist die Verehrung von Engeln vor allem im Katholizismus und in der orthodoxen Kirche präsent. Aufbauend auf dem Alten Testament entwickelt sich bereits im frühen Christentum eine Engelhierarchie.

Engel von hinten im Grünen Quelle: ZDF

Vor allem in den Kindheitsgeschichten Jesu (Matthäus- und Lukasevangelium) erscheinen die Engel besonders häufig. Auch die ersten Christen pflegen einen vertrauten Umgang mit den Engeln. So öffnet etwa ein Engel des Herrn Petrus und den Aposteln die Gefängnistore. Auf den ersten Blick erscheinen solche Erzählungen den alttestamentarischen Berichten ähnlich. Dennoch ist eine Wandlung des Engelbildes auszumachen.

Der Engel tritt nun eindeutig in seiner Funktion als göttlicher Bote und überwältigendes Wesen auf, weshalb er oftmals nun: "Fürchte Dich nicht!" sagen muss. In den Paulusbriefen wird des Weiteren deutlich, dass nach der Offenbarwerdung des Heils in Christus, Jesus als Haupt der Engel angesehen wird. Er thront über ihnen und wird am jüngsten Tag mit seinem Heer mächtiger Engel Gericht halten.

Lehre von den Engeln

Von der Spätantike bis zum Mittelalter kam es zu einer verstärkten Systematisierung der Lehre von den Engeln. Die Kirchenväter, wie zum Beispiel Origines (ca.185-254), Augustin (354-430) und Dionysios Areopagita trugen dazu bei, die biblischen Aussagen zu präzisieren und zu harmonisieren. Vor allem letzterer hatte mit seiner Schrift "Über die himmlische Hierarchie" eine weit reichende publizistische Wirkung. Dionysios brachte die Engelwelt in ein hierarchisches System und erfasste die besonderen Aufgaben der einzelnen Engelordnungen. Nach ihm sind die Erzengel die Boten, die göttliche Beschlüsse übermitteln und als die wichtigsten Vermittler zwischen Gott und Mensch gelten.

Im 13.Jahrhundert, in der Zeit der Scholastik, kam der Reflexionsprozess unter Bonaventura (um 1217-1274) und Thomas von Aquin (um 1225-1274) zu einem Abschluss. Über die wichtigsten Elemente hatte sich ein Konsens gebildet, der für das weitere christliche Engelbild bedeutend sein wird.

Körper- und geschlechtslose Wesen

Als allen Engeln gemein gilt, dass sie meist als körperlose (und geschlechtlose), rein geistige Wesen wirken. Dies ist der fundamentale Unterschied zwischen Engel und Mensch. Sie besitzen ein unmittelbares Erkenntnisvermögen, also ein nicht durch die Sinne beeinflusstes Wissen wie beim Menschen. Im Hinblick auf die Namen der Engel sind die biblischen Texte sehr zurückhaltend.

Nur drei werden namentlich erwähnt: Michael, Gabriel und Raphael. Die volksfrömmige Verehrung der Engel sollte auf diese Weise beschränkt bleiben. Trotz der Risse, die die Engellehre durch Reformatoren und Aufklärer erlitt, ist seit der Romantik wieder eine Rückkehr der Engel festzustellen, die bis in unsere heutige Zeit nahezu ungebrochen fortwirkt. Engel in Frauengestalt, wie wir sie heute vor allem kennen, haben ebenfalls keine biblische Grundlage. Es waren die Künstler des Spätmittelalters, die Maria als himmlische Regentin darstellten, umgeben von einem weiblichen Hofstaat - dem Engelhofstaat.

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