Gegen die Hölle auf Erden

Christophorus Jugendwerk in Oberrimsingen

Mit jungen Menschen auf dem Weg in die Zukunft, so lautet das Motto des Christophorus Jugendwerks Oberrimsingen. Das Angebot richtet sich an junge Menschen aller Nationen und Religionen; geprägt ist es vom christlichen Menschenbild: jeder Mensch zählt und hat eine zweite Chance verdient.

Kreuz auf Berg Quelle: ZDF

Raub, Diebstahl, Missbrauch im Elternhaus - Jugendliche erleben die Hölle auf Erden. Die Ursachen sind vielfältig. Für viele ist das Christophorus Jugendwerk Oberrimsingen die letzte Hoffnung, um wieder zurück in ein normales Leben zu finden. Das Angebot der Caritaseinrichtung ist vielfältig: von der ambulanten Hilfe der Streetworker, über stationäre Wohngruppen, eine eigene Schule bis hin zur Berufsausbildung und einer Fernschule für Schulschwänzer. Derzeit erreichen die rund 160 Mitarbeiter mehr als 450 Jugendliche. Schwerpunkt der Arbeit ist die Region zwischen Basel und Mannheim; über die Fernschule steht das Jugendwerk in Kontakt mit jungen Menschen in ganz Deutschland und darüber hinaus. Knapp Dreiviertel der Jugendlichen sind Deutsche.

Die zweite Chance

Salah Quelle: Jürgen Erbacher


Salah kam 2007 nach Oberrimsingen. Nach mehreren Fällen von Raub und Diebstahl stellte ihn der Jugendrichter vor die Wahl: Gefängnis oder eine Erziehungshilfeeinrichtung. Der 16-Jährige entschied sich für das Jugendwerk. Es war nicht leicht für ihn, sich an den geregelten Tagesablauf zu gewöhnen: morgens Schule, nachmittags Hausaufgabenbetreuung oder Praktika in einer der sieben Ausbildungswerkstätten; dazu das Leben in den Wohngruppen. Am Anfang vermisste er vor allem seine Mutter und die Schwester, die er verlassen musste, doch nach zweieinhalb Jahren habe sich vieles verändert. "Ich habe nicht an Zukunft gedacht, wie jetzt. Ich habe alles nicht ernst genommen. Aber jetzt weiß ich, dass man an Zukunft denken muss und nicht immer an andere Sachen." Salah möchte gerne Zimmermann werden; derzeit absolviert er in der Werkstatt des Jugendwerks das Berufsvorbereitungsjahr. In seiner Freizeit spielt er gerne Fußball. Salah ist Stammspieler in der A-Jugendmannschaft der benachbarten Stadt Hausen und könnte sich durchaus auch vorstellen, Fußballprofi zu werden.



Mit Verständnis und Klarheit

Die Mitarbeiter haben alle eine spezielle sozialpädagogische Ausbildung. Das gilt auch für Schlossermeister Otmar Trendle. Der 56-Jährige arbeitet seit 10 Jahren beim Jugendwerk. Zuvor leitete er in der Industrie eine Abteilung mit mehr als 100 Mitarbeitern. Wer an Karriere denke, sei falsch beim Jugendwerk, ist er überzeugt, hier gehe es um den einzelnen Menschen: "Glücksmomente sind immer die Abschlüsse. Wenn man zusammen sitzt und den Weg noch einmal Revue passieren lässt, wie steinig er zum Teil war, aber doch erfolgreich."

Die praktische Ausbildung erfolgt in den Werkstätten des Jugendwerks; der Theorieunterricht findet in den Berufsschulen der benachbarten Städte statt. Für Trendle führt der Schlüssel zum Erfolg im Umgang mit den Jugendlichen vor allem über vier Tugenden: Verständnis, Klarheit, Wärme und Liebe. "Auf sie zugehen und unterhalten; das reicht oft schon." Viele hätten in ihrem bisherigen Leben nicht erlebt, dass man ihnen zuhört und sie ernst nimmt. "Sie fühlen sich daher an den Rand gedrängt; dass sie dann mit Aggressionen reagieren, verwundert nicht."

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