Guerilla gegen die Übermacht

Widukind führt den Widerstand gegen die Franken an

Der erste Feldzug von Karl dem Großen gegen die Sachsen war zwar erfolgreich, doch der Kampf gegen die Sachsen war damit nicht vorbei. Vor allem der Widerstand des Sachsenherzogs Widukind macht den Franken schwer zu schaffen.

Statue des Sachsenherzogs Widukind Quelle: ZDF

Noch während Karl der Große in Italien ist, erreicht ihn die Nachricht, dass das Sachsengebiet nicht befriedet ist. Immer wieder stehen die wilden Stämme gegen seine Herrschaft auf. Der Herrscher Widukind hat den Sachsen die Freiheit von der fränkischen Vorherrschaft versprochen.


Dass sich andere Stammesführer nach einigen schweren militärischen Niederlagen den Franken unterwerfen und eine fremde Religion annehmen, ist für den Sachsenherzog Widukind Verrat an den Ahnen. Er will nicht wie viele prominente Führer der Sachsen die Waffen strecken. "Widukind führte eine Rebellion der eher kleinen Leute an", sagt der Historiker Rudolf Schieffer.

Sachsen zerstören die Karlsburg

Während Karl der Große auf der von ihm gegründeten Karlsburg bei Paderborn die erste Reichsversammlung auf sächsischem Boden abhält, sammeln sich in den Wäldern jenseits der Burg Aufständische. Unter der Führung Widukinds zerstören die Sachsen im Jahr 778 die Karlsburg.


Angefeuert von ihren Erfolgen schlagen die Sachsen immer wieder zu. Den Franken nützt ihre überlegene Kriegsmaschinerie nicht immer. Die Sachsen locken sie in tödliche Fallen. Auf beiden Seiten sterben unzählige Kämpfer. Der Konflikt eskaliert.

Moderne Guerillataktik

Historiker Schieffer vergleicht die Taktik der Sachsen mit modernem Guerillakrieg. Im Gefecht am Süntel im Jahr 782, so erzählt Schieffer, hätten entschlossene sächsische Verbände eine fränkische Truppe, die weiter nach Osten ziehen wollte, an einer günstigen Stelle gepackt. Der Erfolg habe bei den Franken große Wut hervorgerufen, aber nicht den Kriegsausgang entscheidend verändern können.

Mit einem starken Heer zog Karl der Große daraufhin selbst ins Sachsenland und rächte sich brutal. Die aufständischen Sachsen wurden gefangen genommen und hingerichtet. Dies ging als das "Blutgericht von Verden" in die Geschichtsbücher ein. An einem einzigen Tag soll Karl 4500 Sachsen getötet haben.

Aufgestellt wurden die Gedenksteine von den Nationalsozialisten. Sie nutzten das Ereignis für ihre pro-heidnische Propaganda. Moderne Historiker zweifeln jedoch an der Zahl der Toten. So auch der Lutz von Padberg: "Man muss sich mal überlegen, wie viele Soldaten man braucht, um an einem Tag 4500 Menschen den Kopf abzuhacken. Aber es ist dort etwas dergleichen geschehen. Meistens geht die Forschung in die Richtung zu sagen, da hat sich einer um eine Null vertan."

Widukind Taufe Quelle: ZDF


Widukind entkam dem Blutgericht, gab aber bald auf und ließ sich freiwillig taufen. Karl der Große, so berichten die Reichsannalen im Jahr 785, übernahm selbst die Patenschaft für den Sachsenherzog. Damals könnte Karl erkannt haben, dass es bei der Christianisierung auch einen anderen Weg als den der Gewalt gibt.

Nach Widukinds Taufe zeichnete sich allmählich eine Wende in der Sachsenmission ab: Es sollte weniger brutale Zwangstaufen geben, Missionare kamen zum Einsatz.

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