Heilige der Dunkelheit

Mutter Teresa und ihre Glaubenszweifel

"Wenn es keinen Gott gibt - kann es auch keine Seele geben. Wenn es keine Seele gibt, dann Jesus bist du auch nicht wahr!"
Wohl kaum jemand würde vermuten, dass diese Sätze von Mutter Teresa stammen. Von jener engagierten Missionarin, die ihr Leben in den Dienst der Armen gestellt hat und sich der Weltöffentlichkeit stets als "Dienerin Gottes" präsentierte.

Die persönlichen Aufzeichnungen von Mutter Teresa gelangten im Zuge von ihrer Seligsprechung an die Öffentlichkeit. Sie bringen das Bild von der "frommen Nonne" gehörig ins Wanken. Wie passen solche Sätze zu dieser aufopfernden Ordensfrau im weißen Sari und abgetragener Wollweste, die längst zur moralischen Ikone des 20. Jahrhunderts wurde? Sind es die Hilfeschreie einer körperlich und spirituell erschöpften Frau, die auf diese Weise ihr "Burn-out" vor der Welt verbergen wollte? Ist es Hysterie oder sind es Erfahrungen, wie sie nur "mystisch begabte Christen" haben?

Glaubenskrise der Missionarin

Dieser Frage wird in diesem filmischen Porträt über Mutter Teresa nachgegangen. Sie werfen ein völlig neues Licht auf die weltberühmte Missionarin, deren Lebensgeschichte wie ein modernes Märchen klingt, deren spirituelle Krise jedoch zu einem schweren Konflikt führte, an dem sie beinahe zerbrochen wäre.


Denn die Frau, die für ihr Leben mit den Bettlern und Sterbenden in den Slums von Kalkutta weltweit Anerkennung erfahren hat, fühlte sich innerlich einsam und ausgebrannt: "Der Platz Gottes in meiner Seele ist leer - in mir ist kein Gott - Der Schmerz des Verlangens groß - und dann fühle ich nur dies - Er will mich nicht!", schrieb sie an ihren geistlichen Begleiter, den Jesuitenpater Joseph Neuner.

Eine Liebens- und Leidensgeschichte


Fast 40 Jahre dauerte Mutter Teresas Liebes- und Leidensgeschichte mit Gott. Trotz ihrer tiefen Zweifel aber hat sie weitergemacht und durch ihre Arbeit das Gewissen der Welt herausgefordert. Ihre Bilanz kann sich sehen lassen. Knapp vor ihrem Tod umfasste ihre Ordensgemeinschaft 543 Häuser in 115 Ländern.


Für Regierungschefs und Celebrities gehörte ein Treffen mit Mutter Teresa zum Pflichtprogramm. Doch die lächelnde Ordensfrau, die sich mit den Reagans und Clintons vor die Kameras stellte, durchlebte ihr persönliches Golgotha. Nur Pater Neuner wusste, wie es tatsächlich um sie stand: "Mein inneres Leben wird immer schwerer zu leben. Beten Sie für mich Pater, dass ich nach außen hin die Freude bewahren kann. Ich täusche die Menschen, mit dieser Waffe", heißt es in einem der vielen Briefe an ihren Vertrauten.

Grundfragen menschlicher Existenz

Mutter Teresas Lebensgeschichte erschüttert und provoziert gleichermaßen, denn sie berührt die Grundfragen der menschlichen Existenz: Warum müssen wir leiden, und warum lässt Gott das zu? Fragen, die "die Heilige von Kalkutta" ihr Leben lang quälten. Doch sie hat es nicht gewagt, sie öffentlich auszusprechen. In diesem Film werden sie gestellt. Antworten kommen von ihren Vertrauten, wie ihrem Beichtvater Pater Neuner, der sich als 100-Jähriger erstmals öffentlich zu Mutter Teresas Seelenleben geäußert hat. Aber auch von der renommierten Psychiaterin Margot Schmitz, die den Ursachen ihres Leidens auf den Grund geht.

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