Im Auftrag des Erzengels

Auf den Spuren der "Gabriel-Offenbarung"

Hat es bereits vor Jesus eine Auferstehung gegeben? Ist die Hoffnung auf eine Überwindung des Todes eine gängige, und keineswegs eine einzigartige Idee innerhalb messianischer Bewegungen im Judentum? Eine rätselhafte Steintafel gibt Einblick in die Umbruchsituation in Israel um die Zeitenwende - und könnte dabei traditionelle christliche Vorstellungen von der Auferstehung erschüttern.

Simon ermordet in einer Felsschlucht
Simon ermordet in einer Felsschlucht Quelle: ZDF

Der Schweizer Sammler David Jeselsohn wird 1998 zu einer Auktion biblischer Antiquitäten in London eingeladen. Unter den Objekten, die er von einem jordanischen Händler erwirbt, ist eine beschriftete Steintafel von einem Meter Länge und 40 Zentimetern Breite. Die in drei Stücke zerbrochene Tafel weist zwei Spalten mit insgesamt 87 Zeilen in frühhebräischer Schrift auf. Der Treuhänder ist versiert genug, um in Zeile 77 den Namen des biblischen Erzengels Gabriel identifizieren zu können.

Steintafel: Die Gabriel-Offenbarung
Steintafel: Die Gabriel-Offenbarung Quelle: ZDF

Offenbarung des Gabriel

Das Objekt wird fortan als die Offenbarung des Gabriel bezeichnet. 2005 steht es in Jeselsohns Wohnung, als die renommierte Schriftexpertin der Hebrew University, Ada Yardeni, den Sammler für eine Expertise aufsucht. Dr. Yardeni ist Mitherausgeberin der Schriftrollen vom Toten Meer. Auf den ersten Blick erkennt sie, dass das Schriftbild des Textes auf der Steintafel dem der Texte aus Qumran entspricht.

Linguistische und orthografische Analysen des Textes erhärten ihre These: Die Gabriel-Offenbarung lässt sich räumlich wie zeitlich den Schriftrollen von Qumran zuordnen. Und sogar die Tinte scheint eine ähnliche zu sein. Mit dem Unterschied, dass der Gabriel-Text auf einen Stein aufgetragen worden ist. Damit wäre er das einzige Artefakt aus dem ersten Jahrhundert, bei dem sich eine in Tinte gefasste literarische Inschrift auf Stein in der Region bis heute erhalten hat.

Zitatgalerie mit Expertenmeinungen zur Gabriel-Offenbarung
Experten zur Gabriel-Offenbarung Quelle: ZDF

Wen spricht Erzengel Gabriel an?

Die Diskussion um die Steintafel erhält Anfang 2008 eine neue Wendung, als der renommierte Bibelforscher Israel Knohl die von Ada Yardeni vorgelegte Übersetzung des Textes neu interpretiert. Es geht um die Zeile 80, die Knohl als Hinweis auf eine Auferstehung versteht: "Am dritten Tage, ich, Gabriel, befehle es Dir, erhebe Dich und lebe!" Als Sprecher gilt der Erzengel Gabriel, der als Bote Gottes eine wichtige Rolle im biblischen Geschehen einnimmt. Aber der Auftrag des Erzengels ging nicht an Jesus von Nazareth.

Der Text enthält sogar Hinweise, dass er Jahrzehnte vor Jesus verfasst worden war. Knohl glaubt, dass sich der Erzengel dabei an einen jüdischen Rebellenführer namens Simon wendet. Simon gilt bei seinen Mitstreitern als Messias und wirkt im ersten Jahrzehnt unserer Zeitrechnung, wenige Jahre vor Jesus. Das gewaltsame Ende des Simon in einer Schlucht östlich des Jordan wird von dem jüdischen Geschichtsschreiber Flavius Josephus beschrieben.

Leiden, sterben, auferstehen?

Stellt die Auferstehung Jesu von den Toten damit lediglich die Kopie eines im Judentum verbreiteten Konzepts dar? War die Fähigkeit zur Überwindung des Todes nichts weiter als ein notwendiger Bestandteil der Eigenschaften eines jüdischen Messias?

Im Auftrag des ZDF unternahm der renommierte Neutestamentler und Archäologe Jürgen Zangenberg eine Recherchereise, bei der er nicht nur die Steintafel selbst in Augenschein nahm. In Zusammenarbeit mit ausgewiesenen Experten unternimmt der Theologieprofessor aus Leiden die Entschlüsselung der Inschrift, und versucht eine Identifizierung der darin erwähnten Personen. Die Fragen nach der Echtheit und der Herkunft der Steintafel führen den Fachmann an die Schauplätze des Geschehens in Israel und Jordanien.

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