Im Land der Boskarin-Rinder

Stephan Merseburger berichtet aus Instrien

Es regnet in Strömen, seit Tagen schon in Istrien, jenem kroatischen Landesstrich, der an die Toskana erinnert. Wir fahren vorbei an wunderschönen kleinen Dörfern aus dem Mittelalter, wie Groznan oder Motovun, die stolz und schwer einnehmbar auf Hügeln thronen, durch die sanft gewellte Landschaft. Manchmal hört es kurz auf zu schütten, wir schöpfen Hoffnung, leider nur für kurze Zeit. Dann geht es wieder los.
Auf dem Parkplatz eines deutschen Discounters – ja, die haben mittlerweile auch Kroatien erobert – in Pazin treffen wir Milorad Kukic. Eine kurze Begrüßung, dann folgen wir ihm zu seinem kleinen Hof. Kaum zu glauben, aber wahr: Es gibt noch Adressen, die ein Navigationsgerät nicht findet, also müssen sich die Menschen treffen und einander folgen. Herrlich altmodisch und irgendwie beruhigend.

Sintflutartig regnet es, als wir angekommen sind. Wir können nicht drehen, keine Chance, das hält die Technik nicht aus. Und die Bilder werden nicht schön unter solchen Umständen. Also führt uns Milorad Kukic in sein Haus. Seine Frau Suzana fragt uns, ob wir Kaffee wollen. Gerne, natürlich. Milorad Kukic verschwindet kurz und kommt wieder, mit drei Flaschen Schnaps. Selbstgebranntem, versteht sich. Honigbrand, Grappa und Slivovic.

Ein Verkehrspolizist als Rinderzüchter

Es ist 10 Uhr morgens. Wir unterhalten uns, erfahren, dass Milorad Kukic nicht nur Rinderzüchter, sondern auch Verkehrspolizist ist – und zwar hauptberuflich. Eine lange Stunde regnet es noch, wie aus Kübeln. Der Kaffee ist instant, gerade noch trinkbar. Aber wir müssen dazu noch fünf Schnäpse trinken, alles andere wäre eine Beleidigung, ein Verschmähen der Gastfreundschaft. Ab und zu stehe ich auf, sehe aus dem Fenster und sehne die Erlösung vom morgendlichen Schnapsgelage herbei. Um 11 Uhr endlich ist es soweit, der Himmel lichtet sich. Erlösung.

Milorad Kukic führt uns hinaus auf seine hügeligen Wiesen und zeigt uns seine Boskarin-Rinder. Es sind wahre Prachtexemplare, die sich da im grünen Grase tummeln, sie haben viel Auslauf und gedeihen vortrefflich draußen in der Natur. Früher waren diese Rinder Arbeitstiere, dann machte der Fortschritt sie überflüssig. Sie drohten auszusterben. Doch dann entdeckte man, dass die Rindviecher zur Delikatesse taugen. Also wurden sie weiter gezüchtet und die Art vor dem Aussterben bewahrt.

Suzana und Milorad Kukic lieben ihre 25 Rinder, jedes hat einen Namen. Dass sie am Ende geschlachtet werden, damit können sie leben, das ist schließlich deren Bestimmung. Nur selber schlachten, das könnten sie nicht übers Herz bringen. Und sie haben die Delikatesse noch nie gekostet, obwohl sie keine Vegetarier sind. Zu groß ist ihre Zuneigung zu den Rindern.

Es fängt wieder an zu regnen, als wir weiterfahren. Zurück bleiben Milorad Kukic, der trinkfeste Verkehrspolizist und Rinderzüchter, und seine Frau. Es geht wieder über kleine Straßen durch hügelige Landstriche. Wir haben ein Rendezvous in einem Restaurant, um eine hiesige Delikatesse zu probieren – Boskarin-Rind.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet