Im Tal des Gerichts

Christliche Gräber im Joschafattal

Östlich der Altstadt von Jerusalem liegt das Kidrontal, auch Joschafattal genannt nach dem Grabmal des jüdischen Königs Joschafat, das hier liegt. Joschafat - das heißt übersetzt "Gott richtet".

Nach biblischer Überlieferung ist es das Tal der Entscheidung, das Tal des jüngsten Gerichts. "Dort [im Tal Joschafat] streite ich im Gericht mit allen Völkern um Israel, mein Volk und mein Erbbesitz", heißt es im alttestamentlichen Buch Joel (Kap. 4). Weil dieser Ort nach jüdischer Tradition mit dem Jüngsten Gericht aufs engste Verbunden ist, lassen sich seit 4000 Jahren Juden am Ölberg beerdigen, der das Tal im Osten begrenzt. Wenn der Messias am Jüngsten Tag durch das Goldene Tor in Jerusalem einzieht, wollen sie die ersten sein, die auferstehen.

Das Tal des Todes


In der Talsohle befindet sich ein christlicher Friedhof. Auch die ersten Christen, die sehr eng mit der jüdischen Tradition ihrer Vorfahren verbunden waren, beerdigten ihre Verstorbenen im Tal des Todes - dem Joschafattal. Zudem liegt nur wenige Meter entfernt die Stelle, an der Stephanus gesteinigt worden sein soll. In der frühen Kirche war es üblich, dass die Toten in der Nähe der Gräber oder Todesorte der Märtyrer ihre letzte Ruhe fanden. Dazu kommt, dass der Ölberg, der nach Osten hin anhebt, für die christliche Tradition von zentraler Bedeutung ist. Hierher hatte sich Jesus nach dem letzten Abendmahl zum Gebet zurückgezogen. Hierher führte Judas die Soldaten, damit sie Jesus verhaften konnten.

Doch für Christen sind der Berg und das Tal keine Orte der Trauer, ist Schwester Margareta Gruber überzeugt. Die zentrale Botschaft des Christentums sei vielmehr, dass Jesus den Tod überwunden hat und auferstanden ist, unterstreicht die Franziskanerin, die in Jerusalem als Professorin für Neues Testament lehrt. Das Leben nach dem Tod sei jedem Menschen verheißen. Das wirke sich dann auch auf das konkrete irdische Leben aus, so Schwester Margareta. "Für mich heißt das, mein Leben ist nicht egal, es ist aber auch kein Spaß! Nichts, was aus Liebe geschehen ist, wird verloren gehen. Es gibt aber auch den Gott, der alles kaputt Gegangene Heil macht, vollendet. Und der Glaube an die Auferstehung stärkt meine Liebe zum Leben und mindert auch die Angst vor dem Tod."

Studieren im Heiligen Land

Schwester Margareta Gruber lehrt an der Benediktinerabtei Dormitio in Jerusalem. Dort ist das Theologische Studienjahr angegliedert. Es bietet jedes Jahr deutschsprachigen Theologiestudierenden die Möglichkeit, zwei Semester im Heiligen Land zu studieren. Schwerpunkte sind Bibelwissenschaften, Christliche Archäologie, Ökumene und interreligiöser Dialog. Mehr als 900 evangelische und katholische Studierende haben seit 1973 an dem Programm teilgenommen.

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