In Schutt und Asche

Monumentes Denkmal des Franziskus fällt Erdbeben zum Opfer

Auch die Basilika San Francesco in Assisi gibt Zeugnis darüber, wie missverstanden Franz von Assisi ist: Dem Verfechter der wandernden Kirche ohne Grundbesitz wurde eine monumentale Basilika errichtet. Ein Erdbeben zerstörte im Jahr 1997 zwei Gewölbefelder der Basilika - wertvolle Fresken, die über Franzikus Leben Aufschluss geben, gingen verloren. Experten versuchen jetzt, die Fresken wieder herzustellen.

Die Decke von der Kirche San Francesco stürzt ein

Die papsttreue Kirche hat die Antwort auf die Kritik des Franziskus auf ihre Weise gegeben: In Assisi hat sie dem Mann, der eine Kirche ohne Grundbesitz wollte, eine monumentale Basilika errichtet. Die wandernde Kirche des Franziskus, die zu den Menschen kommen sollte, wurde zu einem fest ummauerten Pilgerziel.

In der Krypta der großen Basilika wurde der Heilige Franziskus entgegen seinem ausdrücklichen Willen beigesetzt. Die beiden Kirchenräume über dem Grab stattete man im Laufe der Jahrhunderte mit wertvollen Fresken aus, die wie monumentale Bilderbücher über das Leben des Franziskus berichten. Geben die Darstellungen wahrheitsgetreu Auskunft über die Taten des Heiligen oder tragen sie nur zur Legendenbildung bei?

Ein Zeichen des Himmels?

Die Diskussion über die Bedeutung der Bilder verstummt, als am 26. September 1997 ein schweres Erdbeben Assisi heimsucht. Vier Menschen kommen in der Basilika zu Tode, und ein Teil der Kunstwerke scheint unwiederbringlich verloren. "Wie man das erklären soll, ist schwer zu sagen", meint Pater Gerhard Ruf vom Saco Convento in Assisi.

Der Pater war bei den Aufräumarbeiten dabei und kann das Ausmaß der Katastrophe beschreiben: "Man sah eine riesige Menge herunter gebrochenen Gewölbes, es waren zwei Gewölbefelder betroffen. Bewundernswert war, dass die Hilfskräfte sofort einen Plan hatten. Schichtweise wurde alles abgetragen, so dass man später sagen konnte: Das ist die Schicht eins, Schicht zwei, Schicht drei."

Hoffnung für das Gewölbe

Trotz der Umsicht der Rettungskräfte wird die vollständige Wiederherstellung der zerstörten Fresken zu einer fast unlösbaren Aufgabe. Zehn Jahre nach dem Erdbeben prüfen Experten des Fraunhofer Instituts, ob sich das von ihnen neu entwickelte 'Verfahren für die Erfassung von zweidimensionalen Fragmenten' auch auf die dreidimensionalen Bruchstücke aus der Basilika anwenden lässt.

Expertenteam sichtet Gewölbeteile

Die Vorbesichtigung der übrig gebliebenen Freskenstücke macht die Probleme der Rekonstruktion deutlich. In den Regalen lagern sechzigtausend identifizierbare Fragmente. In die Millionen geht die Zahl der Bruchstücke, die nicht mehr einzuordnen sind. Die Experten aus Berlin stehen vor einer großen Herausforderung. Aber die Erfahrungen, die bei den Tests in Assisi gewonnen werden, haben einen zusätzlichen Wert. Sie können auch andernorts dazu beitragen, verloren geglaubtes Kulturgut wieder erlebbar zu machen.

Ein fast unüberschaubares Puzzle


"Wir haben ein Verfahren zur Rekonstruktion von zerrissenen und geschredderten Dokumenten entwickelt," erklärt Dr. Jan Schneider vom Fraunhofer Institut: "Derzeit prüfen wir, inwieweit man dieses Verfahren auf dreidimensionale Objekte übertragen kann. Und haben das am Beispiel der zerstörten Fresken in Assisi getestet. Die ersten Ergebnisse waren, dass man nicht unbedingt das Ganze eins zu eins übertragen kann. Aber es ist insgesamt eine interessante und anspruchsvolle Aufgabe, die sicherlich lösbar ist."

Gewölbeteile sortiert

Für Pater Gerhard Ruf bleibt die Arbeit in Assisi ein Lebenswerk. Seine Fotodokumentation der Fresken ist auch eine Suche nach dem richtigen Weg, um das Wirken des Franziskus für die Besucher der Basilika wieder lebendig werden zu lassen.

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