Insel der Mitmenschlichkeit

Das französische Hospital in Jerusalem

Israelis und Palästinenser - Juden, Muslime und Christen. Sie alle leben und arbeiten gemeinsam im St. Louis-Krankenhaus in Jerusalem. Die "Oase des Friedens" liegt an der Grenze zwischen West- und Ostjerusalem gegenüber des "New Gate", einem der Tore in den christlichen Teil der Altstadt. 50 Patienten können hier die letzten Monate ihres Lebens verbringen.

Die Konflikte, die den Alltag vieler Menschen der Region bestimmen, sind in dem mächtigen Steingebäude kaum zu spüren. Im Angesicht des nahenden Todes von Familienangehörigen und Freunden treten die Unterschiede von Religion oder Nationalität, die draußen sehr bestimmend sind, in den Hintergrund.

Kranke sind die "Brücke"


Die Erfahrung macht auch die Leiterin von St. Louis, die deutsche Ordensfrau Monika Dullmann. "Bei uns im Haus sind es die Kranken, die uns verbinden. Es ist letztlich das Geschenk der Sterbenden, dass wir alle zusammenleben." Die 46-jährige gebürtige Düsseldorferin leitet seit zehn Jahren das Hospiz. 2007 wurde Schwester Monika für ihre Arbeit mit dem Mount-Zion-Friedenspreis der Benediktinerabtei Dormitio in Jerusalem, 2009 von Bundespräsident Horst Köhler mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Zusammen mit ihren 60 Mitarbeitern möchte Dullmann vor allem eine Botschaft vermitteln, die allen Religionen gleich sei: "Dein Leben ist wertvoll bis zum Schluss, auch wenn du nicht einmal mehr den kleinen Finger bewegen kannst. Dein Leben ist aufgehoben bei Gott." Diese Haltung gegenüber den sterbenden Menschen war es, die Dullmann als 21-jährige Praktikantin im Hospiz in ihren Bann zog und nicht mehr los ließ. Sie trat daraufhin in den Orden der Josephs-Schwestern ein, der das Haus seit 1848 führt.

Freiwilliges Engagement von Nöten

Freiwillige sind auch heute notwendig, um den Betrieb im französischen Hospital aufrecht zu erhalten. Vor allem aus Europa und Übersee kommen junge Menschen, um für einige Monate mitzuarbeiten. Für Deutsche ist dies im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahres (FSJ) möglich oder auch "nur" für einige Monate. Hier kooperiert das Hospiz mit dem Deutschen Verein vom Heiligen Land, der junge Menschen bei den organisatorischen Fragen bezüglich eines Freiwilligeneinsatzes im Heiligen Land unterstützt.

Im französischen Hospital lernen nicht nur die jungen Freiwilligen viel über die drei monotheistischen Religionen. Saint Louis ist das einzige Kloster weltweit mit einem Koscher-Zertifikat; auch die muslimischen Speisegesetze werden eingehalten.

Alle Feste werden gefeiert

Vom christlichen Geist geprägt, werden auch die Feste der Juden und Muslime im Haus gefeiert. Feiern sei etwas sehr Wichtiges, so Schwester Monika: "Es ist besonders auch wichtig für Patienten, die vielleicht nicht mehr viel Zeit vor sich haben zu feiern und vielleicht nicht mehr auf das nächste Fest ihrer eigenen Religion warten können. So versuchen wir alle religiösen Feste zu feiern, Geburtstage und Jubiläen."

Manchmal fallen die Feste auch zusammen. Mit dem christlichen Advents- und Weihnachtsfest fällt in der Regel das jüdische Chanukka-Fest zusammen, was auch ein Lichterfest ist. "Dann haben wir halt zur Feier einen Weihnachtsbaum, unter dem Weihnachtsbaum steht der Chanukka-Leuchter und der Rabbi kommt und zündet die Chanukka-Kerzen an und sagt den Segen über das Licht und danach singen wir Stille Nacht, heilige Nacht", erzählt Schwester Monika.

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