Eine der schönsten Herausforderungen für Hobby-Wanderer

Interview mit Filmautorin Barbara Lueg

Dokumentation | Dokumentation - Eine der schönsten Herausforderungen für Hobby-Wanderer

"Die Perle Südtirols" wird Meran genannt; mediterranes Lebensgefühl vereint sich mit der Tradition als Nobel-Kurort. Kaiserin Sisi machte Meran einst durch ihre Aufenthalte berühmt.

Beitragslänge:
13 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 30.12.2017, 10:05

Die Überquerung der Alpen gilt für viele Hobby-Wanderer als eine der größten Herausforderungen. Die Tour von Oberstdorf nach Meran ist dabei der Klassiker unter den möglichen Wegstrecken. Ein ZDF-Team hat Tour-Teilnehmer bei ihrem Abenteuer "Alpenüberquerung" begleitet und geht den Fragen nach: Ist es vor allem der Rausch der Höhe, der die Hobby-Wanderer antreibt, oder vielmehr der Wunsch, das eigene körperliche Limit kennenzulernen?

ZDF: Sie hatten zu Ostern für das ZDF die Dokumentation "Meran – Glamour, Gletscher und Geheimtipps" realisiert. Ist bei den Dreharbeiten dazu bereits die Idee entstanden, mal den Wanderklassiker filmisch in Angriff zu nehmen und die Alpentour von Oberstdorf nach Meran mit der Kamera zu begleiten? Oder rücken Sie schon viel länger der Bergwelt auch mit dokumentarischen Mitteln nahe?

Barbara Lueg: In die Bergwelt tauche ich immer mal wieder gerne filmisch ein, da sie eine ganz besonders reizvolle, extreme Welt ist. Daher trage ich die Idee schon länger mit mir herum. Diese Tour ist zwar ein Klassiker, aber jeder erlebt eine Alpenüberquerung mit Glücksmomenten und Zerreißproben anders. Es war spannend zu sehen, wie sich die unterschiedlichen Charaktere in der Gruppe im Laufe der Tour behauptet und verändert haben.

ZDF: Was ist denn für die Teilnehmer der Alpenüberquerung, die Sie filmisch begleitet haben, der Antrieb gewesen: Mal so etwas Ähnliches zu leisten wie andere, die einen Marathon meistern, oder mehr der Wunsch nach dem besonderen Naturerlebnis?

Barbara Lueg: Ich denke, dass die Sehnsucht nach dem besonderen Naturerlebnis alle geeint hat. Aber die Motivationen waren erstaunlich unterschiedlich: Manche wollten sich nochmal selbst etwas beweisen, andere suchten die Einfachheit und wollten sich für eine Weile aus Wohlstand und vermeintlichem Luxus befreien und wieder andere suchten klare Gedanken und so etwas wie innere Einkehr.

ZDF: Erlebt der Zuschauer Ihrer Dokumentation vor allem ein Alpen-Abenteuer mit, das jeder meistern kann, aber nicht jeder sich zu meistern traut?

Barbara Lueg: Das Abenteuer erlebt der Zuschauer, so hoffe ich, hautnah mit – die kleinen und größeren Dramen, die besonderen Augenblicke in dieser gigantischen Kulisse. Ich denke aber, dass nicht jeder diese Überquerung meistern kann. Man braucht schon eine gute Kondition und vor allem muss man wissen, was es heißt, 1000 bis 2000 Höhenmeter bergauf und bergab zu gehen. Das geht nicht ohne ein gewisses Maß an Training.

Im Rausch der Höhe Gipfelkreuz 3
Endlich geschafft! Am Gipfelkreuz in 3.600 Metern Höhe. Quelle: ZDF/Barbara Lueg

ZDF: Inwiefern gilt die Alpenüberquerung per Fuß heute noch als Mythos – oder ist sie vor allem eine Form des alternativen Fitness-Tourismus?

Barbara Lueg: Mit Hannibal, der 218 vor Christus die Alpen mit seinem Heer und etlichen Kriegselefanten überschritt, war dieser Mythos geboren. Und er hält sich bis heute hartnäckig. Für Hobby-Wanderer ist es nach wie vor eine der schönsten Herausforderungen, einmal zu Fuß die Alpen zu überqueren. Für viele wird damit ein Traum wahr. Allerdings sollte man die Route im Hochsommer meiden, denn dann ist sie wirklich überfüllt und dieser Mythos bröckelt.

ZDF: War für Sie und für Ihren Kameramann Georg Schönhofer "im Rausch der Höhe" auch eine logistische Herausforderung? Wie hat das Team das Equipment auf fast 3000 Meter Höhe "handeln" können? Gab es da besonders knifflige Situationen?

Barbara Lueg: Die Logistik war in der Tat nicht ohne, da wir die Gruppe ja über die ganze Tour hinweg zu Fuß begleitet haben. Wir hatten aber Helfer, die einen Teil des Kamera-Equipments getragen haben. Anders wäre das gar nicht möglich gewesen. Zudem haben uns zwei Kollegen begleitet, die ihre Drohne für die Flugaufnahmen von teils abenteuerlichen Felsvorsprüngen aus der Hand gestartet haben. Da konnte ich manchmal gar nicht hinsehen.

ZDF: Was war für Sie der schönste Moment während dieser Dreharbeiten in luftiger Höhe?

Barbara Lueg: Der schönste Moment für mich war eindeutig das Erreichen des Gletscher-Gipfels auf 3600 Metern Höhe. Wir waren in einer Vierer-Seilschaft und als wir das Gipfelkreuz bei knallblauem Himmel berührt haben, kamen manchen die Tränen. Das war sehr berührend.

ZDF: Sie haben als Filmautorin mit Stephan Merseburger zusammen die Sehnsuchtsorte an der Adria erkundet oder Menschen auf ihrem Weg "raus aus dem Alltag" Richtung Wellness-Urlaub auf Bali begleitet: Ist diese Form der Reisereportage neben Ihrer sonstigen Reporterinnen-Arbeit im Landesstudio Bayern Ihr bevorzugtes Genre oder was macht den Reiz dieser Filmarbeit für Sie aus?

Barbara Lueg: Diese Dokumentationen sind natürlich die absoluten "Perlen" in unserem Job. Und ich bin dankbar, dass ich hin und wieder die Gelegenheit bekomme, solche Reisereportagen zu produzieren. Für mich gehören sie zu den spannendsten Sendeformaten überhaupt. Als Reporterin ist es irre reizvoll, Menschen in fremden Lebenswelten zu begegnen und sie ein Stück zu begleiten. Außerdem lerne ich selbst jedes Mal eine Menge dazu.

Mit Barbara Lueg sprach Thomas Hagedorn.

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