Jahrtausendealte Schriftensammlung

Wert des Evangeliums bleibt zunächst unerkannt

Dreieinhalb Jahrzehnte nach den Funden von Nag Hammadi machen Grabräuber durch Zufall eine sensationelle Entdeckung. Unterhalb eines Bergüberhangs finden sie im Jahr 1978 ein unversehrtes Grab. Die Grabräuber sind auf Juwelen und Schmuck aus. Sie sind enttäuscht, als sie in einer kleinen Kiste aus Speckstein lediglich Schriften finden.

Jahrhunderte alte Schriftensammlung Quelle: ZDF

Eine Sammlung von Papyri, sorgfältig in einen Ledereinband gesteckt und mit Riemen verschnürt, entdecken die Grabräuber in der kleinen Kiste. Sie können die Schriften nicht entziffern. Aber seit den Funden von Nag Hammadi hat es sich unter Grabräubern herumgesprochen, dass alte Texte auf Papyrus auch ihren Preis haben.

Auf der Suche nach einem Käufer

Auch Schriften kann man zu Geld machen, wenn auch mit wenig Ertrag. Und so suchen die Grabräuber über Mittelsmänner Kontakte zu Händlern. Auf dem Antiquitätenmarkt von Khan el Kalili, dem großen Basar der Metropole Kairo, findet sich einer, der die Beute für ein paar ägyptische Pfund kauft. Er heißt Hannah. Kaum hat er die Manuskripte in seinen Händen bietet er diese einer Frau an, die er schon lange kennt: der Schweizer Antiquitätenhändlerin Frieda Nussberger.

"Er forderte drei Millionen Dollar. Damals war der Dollar viel wert", erinnert sich Frieda Nussberger, "jeden erstaunte dieser Preis. Warum wollte Hannah drei Millionen Dollar? Er wusste nicht, was in den Dokumenten stand. Niemand wusste das." Keiner konnte den Wert der Schriften erkennen. Kaum einer konnte entziffern, was auf den Papyri stand und so blieben die Schriften zunächst in Hannahs Besitz.

Keine Materialprüfung

Mikroröntgen-Fluoreszenz Quelle: ZDF


Heute würden sofort moderne Methoden eingesetzt, um mehr über das Papyrus herauszufinden. Im Bundesamt für Materialprüfung kann die Herkunft von Papyri bestimmt werden. Mit der sogenannten Mikroröntgen-Fluoreszenz-Analyse wird die Oberfläche des Materials untersucht. Einzelne Buchstaben werden mit einem Röntgenstrahl beschossen. Solch eine Untersuchung hätte Aufschluss über das Manuskript geben können.

Mikroröntgen-Fluoreszenz Quelle: ZDF

Der Physiker Dr. Oliver Hahn vom Bundesamt kennt die Analyse-Möglichkeiten. Um einen tieferen Einblick in das Material zu gewinnen, kann man Schriftproben weiter untersuchen. Eine spezielle Röntgenstrahlung ermöglicht unter die Oberfläche der Schriftprobe zu blicken, um eine genaue Materialanalyse zu bekommen. "Mit einer genauen Kenntnis über die Zusammensetzung der einzelnen chemischen Bestandteile weiß man dann auch, wie eine Konservierung oder eine Restaurierung durchzuführen ist", erklärt Oliver Hahn.

Eine verpasste Chance

"Indirekt spiegelt die Materialanalyse auch den Zustand des Materials, sprich die Zerfallsprozesse wider," erklärt Physiker Hahn. Mit solch einer Untersuchung wäre schon zum Zeitpunkt der Entdeckung der Schriften der Wert erkannt worden. Auch für eine fachgerechte Aufbewahrung hätte gesorgt werden können, um die jahrtausendalten Schriften zu erhalten. Durch unsachgemässe Behandlung litten die Dokumente. Denn sie mussten eine Reise quer um den Globus zurücklegen, bevor sie in die richtigen Hände gerieten.

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