Joachim Gauck

Der gewünschte Präsident

Er ist der Präsident, den sich viele Deutsche schon vor zwei Jahren gewünscht hatten: Joachim Gauck – eloquent, emotional, freiheitsliebend und gelegentlich ein bisschen eitel. Seit März 2012 ist er der elfte Bundespräsident Deutschlands. Alle Parteien außer der Linken unterstützen ihn. Der Rückhalt ist verbunden mit einer klaren Erwartung: Der Neue im Bellevue soll dem Amt das Ansehen zurückgeben, das es durch die Rücktritte seiner beiden Vorgänger verloren hat.

Gauck ist der erste deutsche Präsident, der aus den neuen Bundesländern kommt. Aus seinem Leben in der DDR ist auch sein Lebensthema „Freiheit“ erwachsen, „in einer Intensität, die manche irritiert“, räumt Gauck sogar selbst ein: „Im Westen, weil sie das für normal halten, in der Freiheit zu Leben und manche im Osten, weil sie meinen, das sei idealisiert und man übersehe dabei die Schwierigkeiten.“ Das Thema Freiheit bleibt auch Leitmotiv für das Staatsoberhaupt Joachim Gauck. Schon in seiner Antrittsrede macht er das deutlich und versucht zugleich diesen Grundgedanken auf andere Bereiche der Gesellschaft zu übertragen.

Authentisch und nahbar

Reden halten kann er, das weiß der gelernte Pastor Gauck. Anderes ist schwieriger: So bekennt er noch am Abend seiner Wahl: „Ecken und Kanten zeigen, könne er als Bundespräsident wohl nicht mehr“. Gauck geht nicht nur ins Amt, sondern auch auf die Suche nach einer Form, in der er weiter erkennbar bleibt. Diplomatisch sein – muss er, authentisch und nahbar sein – will er. Dabei gilt es völlig neue Herausforderungen zu bewältigen: protokollarisch im Verhältnis zu Exzellenzen und Majestäten, politisch im Verhältnis zu Kanzlerin und Bundesverfassungsgericht. Für vieles erhält Gauck große Zustimmung, deutlich zum Beispiel bei seinem Staatsbesuch in Israel. Anderes holpert zunächst, etwa seine vorschnelle Aussagen über die Verfassungsmäßigkeit des Euro-Rettungsschirms – ein Gesetz, das er als Staatsoberhaupt unterzeichnen muss.

Nach gut einem halben Jahr im Amt genießt Bundespräsident Gauck hohes Ansehen in der Bevölkerung. Wie viel Gauck aber steckt noch in diesem „gewünschten Präsidenten“? Wie hat das Amt ihn verändert, wie hat Gauck das Amt verändert? Dorthe Ferber und Ines Trams aus dem ZDF-Hauptstadtstudio gehen diesen Fragen nach. Seit seinem Amtsantritt haben sie den „Neuen“ im Schloss Bellevue auf In- und Auslandsreisen begleitet und mit Weggefährten gesprochen.

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