Kindermord und Babyknochen

War König Herodes ein Kindermörder?

Kaum ist Jesus auf der Welt, müssen ihn Maria und Josef in Sicherheit bringen: Als man König Herodes die Geburt Jesu, des neuen Königs der Juden, prophezeit, befiehlt er, alle Neugeborenen in Bethlehem zu töten. Der mächtige Herrscher fürchtet um seinen Thron. War Herodes tatsächlich der biblische Bösewicht per se? Ist dieses Massaker beispiellos in der Geschichte?

Blick auf das Meer durch eine Höhle Quelle: ZDF

"Das Bild von Herodes dem Großen ist das eines krankhaften, grausamen und herzlosen Menschen", weiß Bibelforscherin Claire Pfann. Herodes geht als machtbesessener Gewaltherrscher, aber auch als einer der größten Bauherren der Antike in die Geschichte ein.


Die Tempelanlage von Jerusalem ist eines der mächtigsten Bauwerke dieser Zeit. Herodes war kein gebürtiger Jude und hatte daher auch große Schwierigkeiten, was seine Anerkennung als König angeht. Der Tempelbau und sein Verhalten sollten seinen Anspruch, ein ebenbürtiger und glaubwürdiger König zu sein, unterstreichen.

Kindermorde zur Zeit des Herodes

Der Kindermord von Bethlehem ist eine der großen Gräueltaten der Geschichte und stellt Herodes als Herrscher ohne Skrupel dar. Der Überlieferung nach fürchtet er um seinen Thron, denn diesem Kind wird die Herrschaft über Israel prophezeit. Herodes schickt seine Leute nach Bethlehem aus. Alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren sollen getötet werden. Bis heute streiten die Menschen, ob dieses Ereignis tatsächlich stattgefunden hat. Jesus - der mit Maria und Josef nach Ägypten floh - soll der einzige Junge sein, der gerettet wird.


Auch der Fund von Hunderten von Babyknochen in der antiken Hafenstadt Ashkelon lässt sich auf die Zeit des Herodes datieren. Im Gegensatz zu dem Kindermord von Bethlehem handelt es sich hier um ein archäologisch nachgewiesenes Kindermordereignis. Als "Mystery of the Baby-Bones", als Geheimnis der Baby-Knochen, machte der grausame Fund von sterblichen Überresten hunderter ermordeter Säuglinge vor einigen Jahren Schlagzeilen.

Knochenfund in Ashkelon Quelle: ZDF

Der Wert des menschlichen Lebens


Im Laufe der Zeit wurden die sterblichen Überreste von mehr als dreihundert Kleinkindern gefunden. Die spätere DNA-Analysen zeigten in der Mehrzahl Knaben. Aber wie kommen so viele Babys in die Abfallgrube? Doktor Ross Voss, einer der Ausgräber, vermutet systematisches Morden: "Das war wahrscheinlich ein Bordell. Die Prostituierten, Sklavinnen, wurden schwanger, und ihr Herr bestimmte, was mit den Babys geschehen sollte. Und die, die man loswerden wollte, wurde in die Abfallgrube unter dem Badehaus geworfen."

Gibt es einen Zusammenhang zwischen diesem Fund und dem von vielen ins Reich der Legende verwiesenen Kindermord von Bethlehem? Die Morde von Ashkelon beweisen nicht, dass auch Bethlehem damals Schauplatz eines Kindermords war. Doch sie zeigen: Für die Römer galt das Töten von Kindern nicht als Verbrechen. Das passt zum Bild des Massakers von Bethlehem, wie es die Bibel beschreibt. Über Leben und Tod der Kinder wurde willkürlich bestimmt.

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