Verlorene Kindheit

Kindersoldaten in Uganda

Justin O'Kello war noch ein Kind, als ihn Rebellen entführen und sie ihn zum Kindersoldaten machen. Heute lebt er in einem Flüchtlingscamp nahe Gulu und versucht, die grausamen Erlebnisse zu vergessen.

Gerade mal neun Jahre alt war Justin O'Kello, als er von Rebellen entführt und zum Kindersoldaten gedrillt wurde. Die ugandische Lord's Resistance Army (LRA), die "Widerstandsarmee Gottes", hatte sein Dorf überfallen und zahlreiche Kinder verschleppt - darunter auch Justin.

Zum Töten gezwungen

Justin Okello, ehemaliger Kindersoldat
Justin Okello, ehemaliger Kindersoldat Quelle: ZDF

"Am Anfang musste ich nur Lasten tragen", erinnert sich Justin an die erste Zeit bei den Rebellen. "Später gaben sie mir eine Waffe. Wir griffen die ugandische Armee an und überfielen Autos. Als sie mich zwangen, einen Mann zu erschießen, habe ich es nicht mehr ausgehalten und bin geflohen."

Die LRA hat nach Angaben von Human Rights Watch seit 1986 in Uganda mehr als 30.000 Kinder entführt, um sie im Kampf gegen die ugandische Armee einzusetzen und sie zu gefügigen Tötungsmaschinen zu machen. Ihr Führer Joseph Kony sieht sich als Befreier - mit christlich-fundamentalistischer Ideologie. Er will in Uganda eine Regierung basierend auf den Zehn Geboten einführen. Seit über zwei Jahrzehnten führt er Krieg gegen die Regierung Ugandas.

Auf der Flucht

Die entführten Jungen und Mädchen müssen Überfälle begehen und werden gezwungen, andere Kinder, die versuchen zu entkommen, zu schlagen oder zu Tode zu trampeln. Laut UNICEF werden die Kinder mit grausamen Methoden in die LRA eingeführt: Viele müssen andere Kinder töten und erfahren so, was ihnen selbst bei einem Fluchtversuch droht. Sie ziehen über Jahre durch den Busch, kämpfen oder müssen schwere Lasten tragen - immer in der Angst vor den eigenen Kommandeuren und den Regierungstruppen.

Traumatische Erinnerungen

Der Umgang mit einer Waffe wird ihnen antrainiert, sobald sie die Größe eines Gewehres erreichen. Die Mädchen werden vergewaltigt und missbraucht. Die Kinder sind Soldaten, billige und leicht zu manipulierende Kräfte, mit denen die Rebellen ihre Kriege führen. Sie ziehen von einem Lager zum anderen und träumen von einem Wiedersehen mit ihren Familien, einem Bett zum Schlafen, einem Dach über dem Kopf. Die Angst lähmt die Kinder, sich zu wehren, davonzulaufen.

Schaffen sie es doch, leiden die meisten der ehemaligen Kindersoldaten unter schweren posttraumatischen Störungen. Fast alle Kinder waren Zeugen von Schießereien, Tötungen, wurden selbst geschlagen oder gezwungen andere zu schlagen. Erfahrungen, die es schwer machen, den Weg zurück in ein normales Leben zu finden.

Viele der ehemaligen Kindersoldaten leben heute in Flüchtlingscamps, allein oder mit ihren Familien. In Armut zwar, aber wenigstens gibt es genug zu essen und sauberes Wasser. Auch Justin O'Kello konnte den Rebellen entkommen. Psychologen versuchen ihm zu helfen, er erzählt ihnen von Alpträumen, die ihn immer wieder plagen: "Manchmal träume ich nachts von damals oder dass meine ehemaligen Kameraden mich finden und töten. Ich wache dann meistens auf und bete oder spiele solange, bis diese Gedanken wieder fort sind." Justin sucht in seinem katholischen Glauben Trost.

Perspektiven für die Zukunft

Wenn er groß ist, sagt der mittlerweile 17-Jährige, will er Arzt werden, "Dr. Justin". Ob Justin seine Vergangenheit hinter sich lassen kann, hängt auch von ganz praktischen Dingen ab. Justin und seine Familie sind arm, haben kein Geld. Die Ausbildung ist teuer, aber sie bedeutet Zukunft - das ist eine der einfachen Gleichungen in Afrika.

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