Könige der Kälte

Das schwierige Leben der weißen Riesen

Enorme Minusgrade, peitschende Winde, wenig Nahrung - Eisbären haben es nicht leicht, so scheint es. Und doch sind sie hervorragend an die unwirtliche Arktis angepasst. Sie brauchen die Kälte sogar zum Überleben. Wirkliche Schwierigkeiten dagegen bereitet ihnen die Klimaerwärmung.

Eisbär Quelle: ZDF

Eisbären sind wahre Giganten, die größten Landraubtiere der Erde. Männchen sind deutlich größer als Weibchen, sie können 2,5 Meter lang und 800 Kilogramm schwer werden. Solche Kolosse verfügen über die sprichwörtlichen Bärenkräfte. Ein guter Grund, warum ihnen Tiere und Menschen in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet stets mit Respekt begegnen.

Lebensraum der Einzelgänger

Nürnberger Schnauzen Könige der Kälte Quelle: ZDF


Rund um die arktischen Küsten erstreckt sich ihr Reich: vom norwegischen Spitzbergen über Nordrussland, Alaska, Kanada und Grönland. Einzeltiere wandern manchmal südwärts bis Neufundland, Island oder an die Küste Norwegens. Manche Eisbären unternehmen saisonale Wanderungen, die oft 2.000 bis 4.000 Kilometer lang sein können. Dabei legen sie mitunter 100 Kilometer im offenen Meer zurück. Eisbären sind gute Schwimmer, jagen aber fast nie im Wasser.

Um jagen zu können, sind Eisbären darauf angewiesen, dass das Meer zugefroren ist. Eine wichtige Nahrungsquelle sind Robbenbabys, die sie oft schon in den Wurfhöhlen erbeuten. Auch erwachsenen Robben jagen sie. Dabei lauern die Bären häufig an den Atemlöchern ihrer Beute auf, vor denen sie stundenlang regungslos verharren. Am liebsten verzehren sie den energiereichen Speck. Manchmal wagen sich Eisbären aber auch an noch größere Tiere - vor allem, wenn es keine Alternative gibt. Sie wurden schon bei der erfolgreichen Jagd auf Walrosse und sogar auf Beluga-Wale beobachtet.

Nürnberger Schnauzen Könige der Kälte Quelle: ZDF

Weibchen benötigen vor der Geburt ihrer Jungen besonders viel Energie. Trächtige Tiere graben Höhlen in Eis und Schnee, in denen sie im Dezember oder Januar zwei bis drei Junge zur Welt bringen. Die Kleinen sind dann noch blind und völlig hilflos. Erst im Frühjahr verlässt die Familie ihre schützende Höhle. Der Nachwuchs ist lange auf die Versorgung durch die erfahrene Mutter angewiesen und bleibt oft zweieinhalb Jahre bei ihr.

Eis als Lebensgrundlage

Nürnberger Schnauzen Könige der Kälte Quelle: ZDF


Abgesehen von solchen Familienverbänden sind Eisbären Einzelgänger, von denen manche wegen der geringen Dichte an Nahrung Gebiete von mehr als 200.000 Quadratkilometer durchstreifen. Umgekehrt kann es aber auch vorkommen, dass sich hungrige Bären an nahrungsreichen Stellen konzentrieren. Der bekannteste Versammlungsort der weißen Petze liegt im kanadischen Churchill an der Hudson Bay. Hier warten die Bären jeden Herbst darauf, dass die Bucht zufriert und sie auf dem Eis nach Robben jagen können.

Der Weltbestand der Eisbären wird auf 20.000 bis 25.000 Tiere geschätzt. In vielen Teilen ihres Verbreitungsgebietes müssen sich die Eisbären vor einheimischen Jägern in Acht nehmen - die dürfen die Tiere jedoch nur für den Eigenbedarf jagen. Die kommerzielle Jagd ist verboten. Mit einer ganzen Reihe an Reservaten in Kanada, Russland, Spitzbergen und Grönland werden wichtige Eisbären-Refugien geschützt - zum Beispiel solche Gebiete, die für die Jungenaufzucht bedeutend sind. Dank dieser Schutzbemühungen sollte es dem größten und stärksten Landraubtier der Erde eigentlich gut gehen. Aber gerade ihre erfolgreiche Anpassung an extreme Kälte droht den Petzen künftig zum Verhängnis zu werden. Ohne Eis können sie nicht leben - und das sind schlechte Voraussetzungen in Zeiten globaler Klimaerwärmung.

Nürnberger Schnauzen Könige der Kälte Quelle: ZDF

Innerhalb der vergangenen drei Jahrzehnte hat sich das Gewicht von Eisbären in einem Untersuchungsgebiet an der kanadischen Hudson Bay um durchschnittlich zehn Prozent verringert. Gleichzeitig ist auch die Anzahl der Nachkommen um zehn Prozent zurückgegangen. Beide Phänomene bringen Wissenschaftler direkt mit steigenden Temperaturen in Verbindung. Weil das Eis früher schmilzt, ist die Jagdsaison der Bären kürzer. Sie sind entsprechend schlechter genährt, und trächtige Weibchen verlieren ihren Nachwuchs. Die Welt der Bären droht langsam auseinander zu brechen - sie bewegen sich buchstäblich auf dünnem Eis. Ein weiterer Temperaturanstieg wird die Probleme von Flockes wilden Vettern wahrscheinlich noch verschärfen.

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