Kutte des Franziskus

Gibt es ein Kleidungsstück aus seiner Zeit?

Die Stigmata machen Franziskus zum Nachfolger Christi - und seine Kleidung zum Objekt der Verehrung. In den zerschlissenen Gewändern scheint das Schicksal des Mannes aus Assisi greifbar zu werden. Aber sind sie auch echt?

Kutte des Franziskus

Es gibt vier Kutten, die dem Heiligen Franziskus zugeschrieben werden. Zwei davon wurden nun am Nuklearphysikalischen Institut in Florenz untersucht. Die Stoffproben erlauben eine genaue Altersbestimmung der Kutten, von denen sie stammen.

Echte Kleidung des echten Franz?

Mutmaßliche Kutte des Franziskus


"Die Resultate, die wir hinsichtlich einer Datierung der Stoffproben gewinnen konnten, bestätigen die Annahme, dass es sich bei der Kutte aus Cortona um ein Kleidungsstück aus der Zeit des Franziskus handelt", bestätigt Prof. Mandó vom Nuklearphysikalischen Institut: "Die Kutte aus der Kirche Santa Croce in Florenz hingegen ist frühestens achtzig Jahre nach dem Tod des Franziskus entstanden."

Nur eine der Tuniken führt zum echten Franziskus. Ein Ergebnis, das auch auf die Bilder zutrifft, die sich die Nachwelt von ihm gemacht hat. Die Kutte aus Florenz wird zum Stoff für weitere Spekulationen. "Die Kutte, die wir hier präsentieren, ist achtzig Jahre zu jung für Franziskus. Sie stammt also aus der Zeit des Heiligen Bonaventura, der für uns fast so wichtig ist wie Franziskus selbst", erklärt Bruder Marcantonio und er mutmaßt: "Vielleicht hat die Tunika sogar Bonaventura gehört. Wie sonst ist es denn zu erklären, dass sie meine Brüder über Jahrhunderte verehrt und gepflegt haben?!"

Mutmaßliche Kutte des Franziskus

Welche Rolle spielte Bonaventura?


Die Spur der Fäden führt zum Heiligen Bonaventura. Achtzig Jahre nach dem Tod des Franziskus verfasst er dessen offizielle Biografie. Es soll die einzige bleiben. Alle vorausgegangenen Lebensbeschreibungen wurden vernichtet. Professor Chiara Frugoni weist auf unzureichende Quellenlage hin, denn: "Es gibt nur noch den Franziskus des Bonaventura."


Dessen Biographie erscheint der ausgewiesenen Franziskus-Expertin in einigen Punkten widersprüchlich: "Während Franziskus selbst über die Sache mit den Wundmalen zeitlebens geschwiegen hat, stellt Bonaventura sie mit Absicht in den Vordergrund. Nach meiner Meinung wird mit den Stigmata Kirchenpolitik gemacht. So wird Franziskus zur übergroßen Gründergestalt. Bonaventura hebt ihn damit so hoch, dass niemand ihm mehr folgen kann und man auch seinen Worten nicht mehr folgen muss."

Unerreichbarer Heiliger

Gegen die Erhöhung zum unerreichbaren Heiligen kann sich der gescheiterte Rebell nicht mehr wehren. Franziskus stirbt am Abend des 3. Oktober 1226 im Alter von fünfundvierzig Jahren. Einhundert Jahre später werden seine letzten Getreuen auf dem Scheiterhaufen der Inquisition enden.

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