Legenden um das "Kind" Jesu

Die Kindheitsevangelien und die Frage nach der Herkunft Jesu

Die vier kanonischen Evangelien, die wir aus dem neuen Testament kennen, berichten nur sehr lückenhaft über die Kindheit Jesu. Es gibt andere Schriften, die Geschichten über Jesus erzählen, aber nicht zu den anerkannten Evangelien gehören. Die "Kindheitsevangelien", Schriften, die im zweiten Jahrhundert nach Christus entstanden sind, beinhalten Legenden über Jesus Kindheit. Sie erzählen auch von Jesus Geschwistern, die alle aus dem königlichen Haus Davids stammen sollen.

Jesus formt einen Spatz aus Lehm Quelle: ZDF

Im Bodmer Museum in Genf werden älteste Handschriften gesammelt. Die kostbaren, vom Zerfall bedrohten Manuskripte sind unersetzliche Quellen - auch zum Leben Jesu und zu den Anfängen des Christentums. Zu den wertvollen Schätzen des Museums gehören sogenannte "Kindheitsevangelien", in denen speziell die Kindheitsgeschichte Jesu beschrieben wird. Das "Kindheitsevangelium des Thomas" aus dem zweiten Jahrhundert erzählt die Legende vom fünfjährigen Jesus.

Legenden füllen Lücken

Dem Jesuskind werden im Kindheitsevangelium magische, übersinnliche Fähigkeiten zugeschrieben. "Diese Legenden zeigen das Bedürfnis, von einer Person, die man verehrt, alles wissen zu wollen", erklärt Neutestamentlerin Claire Pfann: "Die Menschen wollen auch etwas über die Kindheit Jesu erfahren. Deshalb wurden die Texte geschrieben. Um die weißen Stellen auszufüllen, der Zeit im Leben Jesu, von der die Evangelien so lückenhaft berichten."

Jesus und die königliche Linie

Aus den Kindheitsevangelien erfährt der Leser auch, dass Jesus Geschwister hat. Von Schwestern ist die Rede, die Anzahl wird nicht genannt. Und vier Brüder hat Jesus - alle aus dem königlichen Haus Davids, wie es heißt. "Die Brüder, Jakobus, Joses, Simon und Judas, sind aus der gleichen Linie. Wir könnten sie königlich nennen", erklärt Bibelarchäologe James Tabor. "Sie haben keine Macht, keinen Thron, keine Armee, keine Regierung. So was wie eine Exilregierung, eine, die auf die Macht wartet. Sie ist potentiell da. Als hätten wir es mit einer Dynastie oder einer königlichen Familie zu tun."

Doch woher stammen solche Vermutungen? Franz Rosenlechner ist Experte der Stammbaumforschung. Drei Jahre hat er mit der Erstellung des Stammbaums Jesu zugebracht. Er hat die Angaben der Evangelien wortwörtlich genommen, wonach Jesu Vorfahren, bei Adam und Eva begonnen, sich über 70 Generationen fortpflanzen, bis er geboren wird. Rund 1000 Namen sind in dem Stammbaum erfasst. Jeder Name ist belegt.

Franz Rosenlechner vor dem Stammbaum Jesu Quelle: ZDF

Frei von historischer Wirklichkeit

Der Stammbaum endet bei Jesus und seinen Geschwistern, den vier Brüdern und den namentlich nicht genannten Schwestern. Zu jedem Namen gibt es die nachprüfbaren Angaben der Quelle in der Bibel. Diese Genealogie beruht auf den Schriften der Bibel. Es war den Verfassern wichtig, Jesus als königlichen Nachfahren darzustellen. Der Stammbaum geht über David, Abraham und Noah bis auf Adam und Eva zurück - ist also - frei von historischer Wirklichkeit - die Fortschreibung alttestamentlicher Überlieferungen.

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