Lucy und der Tod

Unterwegs in der mörderischsten Stadt der Welt

Es ist Krieg in der Stadt Juárez. Die mexikanische Millionenstadt im Bundesstaat Chihuahua liegt an der Grenze zu den USA und ist bekannt für ihren blutigen Alltag. Über 7000 Morde sind dort in den letzten drei Jahren gezählt worden. Sie darf daher den traurigen Titel "Die mörderischste Stadt der Welt" führen. Hier arbeitet die Reporterin Lucy Sosa seit über zwanzig Jahren.

"Wir sehen hier jeden Tag das Schlimmste unserer Gesellschaft. Aber wir alle wollen eine andere Stadt. Dafür arbeite ich und lasse nicht zu, dass die Mafia oder die Regierung mir das verbieten." Mutige Worte der Polizeireporterin Lucy Sosa.

Gewalt und Hoffnungslosigkeit

Für die Journalistin beginnt jeder Tag morgens mit der Recherche, wie viele Morde in den letzten 24 Stunden stattgefunden haben. Dann versucht sie, genau wie ihre Kollegen, noch vor der Absperrung durch die Bundespolizei am Schauplatz der Verbrechen zu sein.

Gewalt und Hoffnungslosigkeit vertreiben inzwischen die Menschen aus der Stadt. Über 200.000 haben in den letzten Jahren Juárez verlassen, 15.000 Geschäfte sind geschlossen worden und täglich werden es mehr. Wer bleibt, sind vor allem die, die Geschäfte machen wollen mit Drogen, die auf dem US-Markt ein Tausendfaches wert sind. Ein Markt, der die beiden Kartelle in Juárez zu ihrem mörderischen Geschäft antreibt.




Während wir bei Lucy zu Hause sind, werden an jenem Sonntag 18 Menschen erschossen. Für Lucy grauenvolle Routine. Die Ereignisse machen sprachlos: Auf einem neu angelegten Fußballplatz werden am frühen Abend sieben junge Leute beim Spielen gezielt hingerichtet. Ein Massaker vor den Augen von Zeugen, die aber alle schweigen - niemand will der Nächste sein.

Eine Chronistin des Todes

Wir begleiten Lucy in das Haus der Mutter eines der Opfer. César ist mit seinem Freund Samuel im winzigen Wohnzimmer aufgebahrt. Der eine 18, der andere 17 Jahre alt, erschossen, 200 Meter von ihrem Haus entfernt. Weder die sofort angerufene Ambulanz, noch die Polizei sind an den Tatort gekommen, zu gefährlich ist das Viertel. Unerschrocken und immer vor Ort: Lucy del Carmen Sosa.




Sie ist eine Chronistin des Todes, eine Buchhalterin der Morde, die sie Tag für Tag in einen Kalender einträgt, weil die Behörde die Zahlen schönt. Lucy will bleiben. Noch. Wie viel Angst sie hat, ist schwer zu erkennen. Vertrauen in Polizei und Justiz gibt es nicht. Es gibt Opfer, aber so gut wie keine gefassten Täter. Die Universität in Juárez schätzt die mögliche Zahl der Morde in diesem Jahr auf 5000 . Während die Stadt stirbt, geht der Alltag irgendwie weiter. Juárez nimmt dem Besucher den Atem - so stellt man sich die Hölle vor.

Ciudad Juárez, Mexiko, ist die gefährlichste Stadt der Welt. Eine Woche lang begleitete ein Fernsehteam des ZDF die Polizeireporterin Lucy Sosa durch die Straßen und zu den Tatorten des täglichen Mordens. Der Reporter Matthias Franck sprach mit Angehörigen der Opfer, Vertretern der Justiz, dem Bürgermeister der Stadt, besuchte das Gefängnis und nahm Teil am mörderischen Recherchealltag von Journalisten, die täglich ihr Leben riskieren.

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