Märtyrer im Heiligen Land

Ein christlicher Märtyrer mordet nicht

Märtyrer und Heiliges Land - das ist ein heikles Thema. Beim Stichwort Märtyrer im Heiligen Land liegt der Gedanke an Selbstmordattentäter nahe; denn diese werden von ihren Anhängern oft als Märtyrer bezeichnet und verehrt. Doch nach christlichem Verständnis ist ein Märtyrer etwas völlig anderes.

Der christliche Märtyrer mordet nicht; er gibt sein Leben für seine Überzeugung - für seinen Glauben an Christus. Zugespitzt formuliert könnte man sagen, er mordet nicht, sondern er wird ermordet. Er reißt nicht andere mit in den Tod. Der Tod des christlichen Märtyrers ist nicht Mittel zur Durchsetzung eines politischen Ziels, sondern es ist ein Ereignis, dass dem betroffenen Christen widerfährt als Konsequenz für sein Glaubenszeugnis.

Erzmärtyrer Stephanus

Stephanus gilt als der erste christliche Märtyrer. Er wird daher auch als Erzmärtyrer bezeichnet. Mit seinem Tod begann die erste große Christenverfolgung in Jerusalem. Stephanus war einer der sieben Diakone der christlichen Urgemeinde und kümmerte sich besonders um Arme, Witwen und Waisen. Die Bibel berichtet über sein Schicksal in der Apostelgeschichte (Kap 6-7). Stephanus geht mit den Schriftgelehrten hart ins Gericht, die ihn daraufhin vor die Tore der Stadt treiben und steinigen.


Wer die Jerusalemer Altstadt in Richtung Osten verlässt, findet nur eine Möglichkeit: das Löwentor, auch Stephanustor genannt. Nur wenige Meter entfernt liegt das orthodoxe Gregorius-Kloster. Neben dem Hauptgebäude befindet sich die Stelle, an der Stephanus Ende der 30er Jahre des ersten Jahrhunderts der Tradition nach gesteinigt worden sein soll. Sein Leichnam wurde dann in der Stephanusbasilika beigesetzt, die sich im Ostteil des heutigen Jerusalem befindet. Im 4. Jahrhundert sollen sie dann nach Rom gebracht worden sein.

Heilige als Vorbilder

Neben der Basilika bedindet sich heute die Ecole Biblique der Dominikaner. Dort lehrt auch Pater Marcel Sigrist. Der Archäologe und Alttestamentler lebt und arbeitet seit 1976 im Heiligen Land. Für ihn ist Stephanus nicht eine Figur der Geschichte. "Es gibt immer noch Märtyrer, Leute, die ihr Leben abgeben, wie Stephanus, aber nicht wie es ihm geschehen ist, dass sie in einem Moment sterben, sondern die ein Leben lang leiden müssen wegen ihres Glaubens. Leute, die keinen Platz finden, weil sie Christen sind. Leute, die vertrieben werden, weil sie Christen sind."

Heilige sind in der heutigen Zeit wichtiger denn je, ist Pater Marcel überzeugt. Wie Kinder in einer Familie Vater und Mutter als Vorbilder bräuchten, so sei es auch im Glaubensleben. Auch in der großen Zahl von Heiligen sieht der Dominikaner einen Sinn. "Wie es tausende Sprachen gibt, in der Welt; jede hat eine andere Art, dasselbe auszusprechen, so gilt es auch für die Heiligen, die alle über die zwei Jahrtausende viele Modelle hervorgebracht haben." So könne jeder sein Glaubensvorbild finden in seiner je eigenen Situation.

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