Menschenscheue Raubtiere

Tausende Braunbären leben in den Bergen Rumäniens

In Rumänien leben Bären und Menschen weitgehend friedlich nebeneinander. Tausende von Braunbären tummeln sich in den unwirtlichen Bergwäldern der Karpaten. Doch sie sind keine gemütlichen Kuscheltiere. Wenn sie auf der Suche nach Nahrung auch in bewohntes Gebiet kommen, sollte man ihnen besser nicht zu nahe kommen.

Die in Europa vorkommende Braunbärenart Ursus arctos arctos ist lange Zeit überall in den Alpen heimisch gewesen - bis sie Ende des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa ausgerottet wurde. Heute gibt es in Italien, Frankreich und Österreich wieder einige wenige Braunbären. Anders sieht es in Rumänien aus: Hier lebt die größte Braunbärenpopulation Europas: zwischen 4.000 und 7.000 Bären, je nach Schätzung.

Bär beschnuppert Kamera Quelle: ,ZDF

Dass die Schätzungen so unterschiedlich ausfallen, liegt an den unterschiedlichen Interessen von Tierschutzgruppen und Jagdverbänden. Während die einen die Bären als bedrohte Art sehen, die es zu schützen gilt, sprechen die anderen von einer schädlichen Überpopulation, die sie dezimieren - also abschießen - wollen.

Leichte Beute für den Diktator

Die große Bärenpopulation ist dem kommunistischen Diktator Nikolae Ceausescu zu verdanken. Bärenjagd war sein Hobby - weshalb er anordnete, die Bären aus ihren unzugänglichen Verstecken in seine Jagdgebiete zu verlegen und zu mästen. Die so an Menschen gewöhnten, fast schon zahmen Bären waren dann ein leichtes Opfer für den Diktator und sein Gefolge.

Der gezüchtete Überbestand hatte jedoch gefährliche Folgen für die Menschen. Die Bären hatten ihre Scheu vor den Menschen verloren und kamen sogar in besiedeltes Gebiet, wo sie die Mülltonnen durchwühlten. Zwar leben die Bären heute eher in den höhergelegenen Gebirgsgebieten, doch sind sie in manchen Orten nachts noch immer an den Müllsammelstellen anzutreffen. Das liegt daran, dass Bären Nahrungsquellen durch ihre Mütter kennenlernen. Auch nach Jahren können sie sich noch daran erinnern und kehren immer wieder an diese Plätze zurück.

Keine große Gefahr für den Menschen

Die meisten Bewohner empfinden die Braunbären jedoch nicht als große Gefahr. Die Tiere sind eigentlich sehr scheu und machen sich schnell aus dem Staub wenn sie Menschen hören oder riechen. Fühlen sie sich jedoch angegriffen oder werden sie gereizt, können sie auch aggressiv werden.

Bärenschnauze Quelle: ZDF

So gemütlich der Braunbär auch wirken mag - man sollte nie vergessen, dass er zur Gruppe der Raubtiere gehört. Je nach Verbreitungsgebiet kann er vom Kopf bis zum Rumpf etwa 1,20 bis 2,20 Meter groß und 70 bis 200 Kilo schwer werden. Damit ist er zwar deutlich kleiner und leichter als der nordamerikanische Grizzly, aber immer noch eines der größten Tiere Europas.

Achtlosigkeit kann Bären provozieren

Ein Übergriff auf Menschen wird in Europa durchschnittlich jedes Jahr gemeldet. Meistens haben sich die Menschen dabei unvorsichtig verhalten - beispielsweise, indem sie beim wilden Campen Nahrungsmittel direkt im Zelt aufbewahrt hatten. In Österreich, wo in den vergangenen 15 Jahren rund 30 Braunbären angesiedelt wurden, hat es allerdings noch nie einen solchen Unfall gegeben.

Braunbären sind Einzelgänger, die in einem festen Gebiet leben, das sie mit ihren Geruchszeichen markieren. Nur zur Paarungszeit im Frühsommer tun sie sich mit einem anderen Bären zusammen. Während der Winterruhe zum Jahreswechsel bringen sie dann ihre Jungen zur Welt. Unter natürlichen Bedingungen werden Braunbären zwischen 20 und 30 Jahre alt, in Gefangenschaft auch älter.

Bestand geht immer weiter zurück

Kameramann in Tarnmountur Quelle: ,ZDF


Der Braunbär ernährt sich eigentlich vorzugsweise vegetarisch - vor allem von Gräsern, Knollen, Beeren und Pilzen, reißt aber auch mal ein Schaf oder eine Ziege. Rumänische Schäfer schützen deshalb ihre Schafe nachts durch einen Elektrozaun. Bären mögen es nicht, wenn sie einen elektrischen Schlag auf die Schnauze bekommen.


Obwohl es mittlerweile in Rumänien eine offizielle "Politik zum Schutze der Bären" gibt, geht die Zahl der Braunbären in den Karpaten nach Angaben von Tierschützern kontinuierlich zurück. Wie rumänische Medien immer wieder berichten, vergeben korrupte Wildhüter Abschussbewilligungen an reiche Ausländer, ohne darauf zu achten, dass der Bestand zu sehr verringert werden könnte. Auch heute noch bringt der Abschuss eines Bären rumänischen Revierpächtern und Jagdverbänden bis zu 10.000 Euro.

Noch 10.000 Braunbären in Europa

Der Braunbär steht auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere. In ganz Europa leben Schätzungen zufolge höchstens noch 10.000 Bären. Sie leben vor allem in dünn besiedelten Regionen: in den kaum genutzten Wäldern Nord-Norwegens, Schwedens und Finnlands, aber auch in den Waldgebieten Russlands und der Karpaten sowie auf dem Balkan, in den Gebirgen der Iberischen Halbinsel und Italiens.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet