Militärs an der Klimafront

Machtfaktor Erde, Teil 2

Dem Militär ist die strategische Bedeutung des Klimawandels bewusst. Es wird zukünftig auch an der Klimafront gefordert sein.

Der Blaue Nil in Äthiopien
Der Blaue Nil in Äthiopien Quelle: ZDF

Tonga, das Insel-Königreich in der Südsee, mag als Startpunkt unserer Reisen zu den Brennpunkten der neuen Machtkämpfe überraschen. Aber hier verläuft tatsächlich eine Frontlinie in der beginnenden Auseinandersetzung zwischen der alten Pazifik-Macht USA und der aufsteigenden regionalen Supermacht China. Klimawandel ist in dieser Auseinandersetzung zu einem Faktor geworden.


Vanuatu und Tonga stehen im jüngsten Weltrisikobericht der UNO ganz oben. Ein trauriger erster Rang. Sie werden am ehesten von Naturgewalten bedroht. Die Inselstaaten des Pazifik sind verunsichert - und auf der Suche nach starken Partnern. Es gibt auch viel zu holen in Inselstaaten wie Tonga. Tiefsee-Bergbau wird im 21. Jahrhundert eine immer wichtigere Rolle bei der Ressourcen-Versorgung spielen. Nach dem Seerecht der Vereinten Nationen gehört zu jeder Insel - und sei sie noch so klein - eine Wirtschaftszone von 200 Meilen.

Klimawandel als Konfliktbeschleuniger

So stattet nicht nur die chinesische Marine der Pazifiknation einen Besuch ab, sondern auch die US-Flotte mit Admiral Mike Mullen. Der amerikanische Generalstabschef erklärt Claus Kleber im Interview, dass der Klimawandel vom US-Militär ernst genommen wird. Deutliche Worte aus dem Pentagon, die man sonst bei der US-amerikanischen Regierung häufig vermisst. Dem Marine-Offizier ist die strategische Bedeutung des Klimawandels bewusst. "In der Geschichte haben so gewaltige Umwälzungen immer Konflikte bedeutet." Das Militär wird in der Zukunft auch an der Klimafront gefordert sein. Bei sich mehrenden Katastropheneinsätzen und wenn sich der Klimawandel in ohnehin kritischen Regionen als Konfliktbeschleuniger erweist.

Vorteile des großen Schmelzens

Chinas Regierung, so stellen die Autoren fest, ist sich aber auch der Gefahren des Klimawandels für ihr System bewusst. Wie viele Überschwemmungen, Dürren, Sandstürme kann China aushalten, ohne dass sich das Volk auflehnt? In Shanghai erklärt ihnen der führende Polarwissenschafter, Professor Huigen Yang, der die Regierung berät, dass die wirtschaftlich potentesten Regionen Chinas vom steigenden Meeresspiegel bedroht sind. Aber China sieht auch Vorteile im großen Schmelzen. So wie Russland will China seine Handelswege in der Arktis verkürzen.

Moskau bereitet sich mit einem Ausbau seiner Nordtruppen auf das neue Wirtschaftswunder im Polarmeer vor. In St. Petersburg dreht das ZDF auf einer Werft, in der das erste einer Reihe von schwimmenden Atomkraftwerken zusammengebaut wird. Obwohl sich zwei Tage vorher die Katastrophe in Fukushima ereignete, will der Ingenieur des AKWs am Planziel festhalten. Für die Zukunft Russlands sei es immens wichtig, in Nordpolnähe eine mobile Stromversorgung bereitstellen zu können.

Aufmarsch der Armeen

Das ZDF dreht als erstes westliches Team auch Truppenübungen im verschneiten Petschenga bei Murmansk. Inzwischen hat Vladimir Putin die Errichtung eines "Militärkommando Arktis" verkündet. Kanada verstärkt ebenfalls in seinen riesigen arktischen Gebieten die Militärpräsenz. Ob sich China oder Russland davon beeindrucken lassen?

Welche Nationen werden sich im Klimawandel behaupten können? Die skrupellosen, die vorausschauenden, die gierigsten? Die, die bereit sind, ihr Militär einzusetzen? UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärt Claus Kleber in New York, dass er nicht aufhören wird zu mahnen, zu vermitteln und vorzusorgen. Klimawandel und seine Folgen sind ihm ein Herzensanliegen.

Pokern mit Wasser

Aber, wie das ZDF-Team in einer spannenden, von den Deutschen anberaumten Versammlung zu dem Thema im Weltsicherheitsrat und hinter den Kulissen miterleben darf, setzen sich zunächst die Mächte durch, die ihre Klimapolitik nicht von einem Weltparlament diktieren lassen wollen. Russland und China blockieren einen wegweisenden Entschluss des Sicherheitsrates.

Arme Länder, die ohnehin Schwachen, werden unter dem Klimawandel am meisten zu leiden haben. Und doch könnten einige mit einem in diesen Zeiten wichtiger werdendem Gut pokern: Wasser. In Äthiopien sammelt sich im Hochland der Regen und wird zum Blauen Nil. Zusammen mit dem Weißen Nil aus Sudan speist er flussabwärts Ägyptens Lebensader.

Krieg droht

Claus Kleber lernt bei einer Wanderung mit einem äthiopischen Agrarwissenschaftler zu Afrikas zweitgrößtem Wasserfall, dem Tis Issat ("Rauchendes Wasser"), dass Äthiopien seinen größten Schatz in Zukunft selbst stärker ausnutzen will, für die eigene Landwirtschaft und Energieversorgung. Flussabwärts hätte Ägypten das Nachsehen und drohte schon mal mit Krieg. Für den Fall der Fälle.

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