Missbrauch per Mausklick

Kinderpornografie im Internet

Es sind vor allem Männer, die sich an den Schwächsten der Gesellschaft, an wehrlosen Kindern, vergreifen. Die Täter glauben sich hinter den Fassaden ihrer Wohnungen sicher. Dass sie mit dem Missbrauch per Mausklick ein Verbrechen begehen, stört sie kaum. Eine Freiheitsstrafe, die von drei Monaten bis zu fünf Jahren gehen kann, schreckt sie nicht ab.

Mit Ermittlern auf der Spur


Die Vernehmung ist beendet. Kriminaloberkommissar Dieter Scholz ist sicher, dass der Beschuldigte etwas zu verbergen hat, auch wenn der sich absolut unschuldig gibt. Bei ihm werde man nichts finden. In solchen Fällen setzt Scholz auf seinen Kollegen Thorsten Steinert von der Datenverarbeitungsgruppe. Steinert weiß: "Fehler machen sie alle!" Und tatsächlich entdeckt der Computerspezialist einige Tage später unter hunderttausenden Fotos widerliche kinderpornografische Dateien. Ausreichend Beweise für einen Prozess.
Seit mehr als zehn Jahren ist Dieter Scholz im Fachkommissariat für Sexualdelikte bei der Polizeidirektion Hannover tätig. Ein Jahr lang haben ZDF-Reporter den Ermittler bei seiner Arbeit begleitet, waren bei Einsatzfahrten, Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmungen und beim Durchsuchen der Computer dabei. Für den Beamten ein oft zermürbender und nur schwer zu ertragender Alltag.

Dieter Scholz nimmt das aber immer wieder zum Ansporn, gegen die wachsende Bedrohung durch kinderpornografische Bilder und Videos im Internet anzukämpfen. "Das Weggucken, wenn jemand auf dem Bahnsteig verprügelt wird, ist nichts anderes als das Weggucken im Internet", warnt der Kommissar. "Hier muss man immer wieder Anstöße geben, dass sich das Bewusstsein in der Bevölkerung und das Bewusstsein unserer Politiker verändert!"

Harte Strafen wirken nicht

Die Täter, die kinderpornografische Fotos und Videos im Internet verbreiten, erwerben oder besitzen, kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Bis zu fünf Jahre Gefängnis wartet auf Menschen, die sich an Kindern vergreifen. Und auch der Besitz oder der Handel mit jugendpornografischen Fotos und Videos im Internet, also mit Personen von 14 bis 18 Jahren, ist in Deutschland inzwischen strafbar.

Die abschreckende Wirkung der Strafen ist dabei fragwürdig: Jeden Tag suchen circa 350.000 "User" in diversen Chats und Tauschbörsen ihren perversen K(l)ick. 80 Prozent der Kinder, deren Fotos und Videos im Internet kursieren, sind jünger als zehn Jahre. Jedes dritte Opfer ist sogar jünger als drei Jahre.

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