Missionierung ohne Gewalt

Ein Mönch will vom Christentum überzeugen

Die Christianisierung der Sachsen hatte sich Karl der Große auf die Fahnen geschrieben. Doch wie sollten die Franken die unterworfenen Sachsen vom heidnischen Glauben abbringen? Der Mönch Liudger wollte vom christlichen Glauben überzeugen.

Speisung der Armen Quelle: ZDF

Einige Kirchenleute um Karl den Großen verfolgten die Strategie: zügig einnehmen, taufen, und dann wird man die Eingliederung und Christianisierung schon noch hinbekommen. Doch manche dachten anders. Sie waren Anhänger einer angelsächsischen Schule, die sich um Alkuin, der in York lehrte, und Gregor von Utrecht gruppierte. Sie vertraten die Meinung, Glaube könne nur freiwillig sein. Mehr oder weniger deutlich äußerten sie, dass man die Leute vom Glauben überzeugen müsse, schildert der Historiker Lutz von Padberg.

Taufe aus freien Stücken

Der Mönch Liudger gehört dieser Schule an und erhält von Karl dem Großen den Auftrag, die Sachsen zu missionieren. Der König folgt damit seinen klügeren Beratern. Die Sachsen sollen den Wert des Christentums von selbst erkennen und sich aus freien Stücken taufen lassen.

Lehre durch Bilder


Aus Rom hat Liudger einen Reliquienkasten mitgebracht, den er als Tragaltar verwendet. Liudger weiß, wie gefährlich seine Aufgabe ist. Noch immer gibt es aufständische Sachsen im Land. Und sie warten nur auf eine Gelegenheit, die Missionare anzugreifen.


Die Kirchensprache Latein können die Sachsen nicht verstehen. Doch Missionare wie Liudger sprechen auch die Sprache der Einheimischen. Liudger wurde in Friesland geboren. Die Bibel erklärt er den Sachsen in ihrer eigenen Sprache und in Bildern. Schnitzereien auf Liudgers Altar symbolisieren den neuen Glauben: Das Tier steht für das Böse, das durch Tod und Auferstehung Christi überwunden wird.

Liudger Altar Quelle: ZDF


Eine unbekannte neue Welt, ein völlig anderes Denken öffnet sich den Sachsen. Die christliche Botschaft in einfachen Bildern zu erklären - das konnte nicht jeder. Liudger - so schreibt sein Biograf - habe schon als Kind am liebsten Bücher gelesen. Im Utrecht geht er in eine Klosterschule, und schließlich will er bei Alkuin, dem bedeutendsten Gelehrten zur Zeit Karls des Großen, studieren. Dazu muss er ins englische York reisen.

Rückschläge bei der Missionierung

"Allein schon die Fahrt nach England war gefährlich, denn die Schiffe hatten keine Navigationsgeräte. Wenn ein Sturm auftrat, dann waren sie dem kaum gewachsen", sagt die Archäologin Gabriele Isenberg und schlussfolgert: "So eine Reise braucht eine Menge Mut und Begeisterung."


Liudger muss auf seinen Missionsreisen immer wieder Rückschläge hinnehmen. Obwohl die Franken ihre Herrschaft nach und nach festigen, ist das Land fast 20 Jahre nach Beginn der Sachsenkriege immer noch nicht befriedet. Vielerorts flackern Aufstände auf. Besonders die neu errichteten Kirchen werden zum Ziel sächsischer Anschläge.

Der Mönch vollbringt Wunder

Liudgers Biograf berichtet von mehreren Wundern, die der Missionar vollbracht haben soll. Einen Verurteilten soll er vom Galgen befreit und einen Gesteinigten wieder zum Leben erweckt haben. Auch Blinde soll der Missionar geheilt haben. Die Armen zu speisen, gehörte zu seinen täglichen Aufgaben.


Im Jahr 792 gründete Liudger bei Mimigernaford, dem heutigen Münster, ein Kloster im Auftrag Karls des Großen. "Arme und Reiche", so heißt es in Liudgers Lebensbericht, "lässt er ohne Unterschied an seinem Tisch Platz nehmen." Das ist neu für die Sachsen. Bei ihnen galt die Fürsorge nur dem eigenen Familienverband. Ein Fremder hat in der heidnischen Wertordnung keinen Anspruch auf Mitgefühl.

Widersprüche zum christlichen Ideal

Außerdem predigte Liudger das Gebot der Friedfertigkeit. Doch das steht im Widerspruch zum Handeln des Frankenkönigs. Hatte nicht Karl der Große mit Feuer und Schwert gegen die Sachsen gekämpft? Hatte er ihnen seine Herrschaft nicht mit Gewalt aufgezwungen? Manche ahnen, dass christliches Ideal und Lebenswirklichkeit nicht leicht zusammen passen.



Die Christianisierung verändert die sächsische Gesellschaft. "Kindesaussetzungen, Totschlag und dergleichen war nicht mehr so leicht möglich. Der Wert des Menschen wurde höher geachtet, als das vorher der Fall gewesen ist", fasst der Historiker von Padberg zusammen. Auch der Alltag verändert sich. Eine der wichtigsten Neuerungen, die Liudger und andere Missionare einführen: Am Sonntag soll nicht mehr gearbeitet werden. Der siebte Tag der Woche gehört dem Gottesdienst. In Klosterschulen wird lesen und schreiben gelehrt.


Eine Zeit lang durchmischen sich die Kulturen. Doch Mönche wie Liudger haben den christlichen Werten schließlich zum Durchbruch verholfen. Sachsen und Franken verschmelzen zu einem Volk. Liudger selbst wird schließlich zum Bischof geweiht.

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