Mit dem Zug in den Orient

Auf den Spuren der Bagdadbahn

"Die Karawanen haben vieles transportiert, was unsichtbar war", sagt Hassan der Geschichtenerzähler, während sich unser Zug der Ruinenstadt Palmyra nähert, dem einst mächtigen und reichen Handelsplatz am Schnittpunkt bedeutender Karawanenrouten. Die tagsüber von hellgelb bis rötlich wechselnden Farben der syrischen Wüste sind inzwischen tiefschwarzer Nacht gewichen. "Sie brachten Kultur, andere Sitten, Religion nach Palmyra", fügt Hassan hinzu.

"In seiner Blütezeit sprach man in der Stadt mindestens drei Sprachen." Palmyra, deren gut erhaltene Säulenreihen fast 2000 Jahre nach dieser Blütezeit noch immer filigran aus der Wüste ragen, ist einer der Höhepunkte unserer Reise in den Orient. Den Sonnenaufgang inmitten der Ruinen am Hadrians-Tor zu erleben, oder hoch oben von der "arabischen Burg" aus den grandiosen Blick über die ganze Ebene, das ist schon ein großartiges Gefühl.

Kaisers Luftschloss

Es ist ein langer Weg von Istanbul in die syrische Wüste. Und doch ist es noch lange nicht das Ende dieser Reise. Wir begleiten in einem Sonderzug eine Gruppe deutscher Touristen auf den Spuren der legendären Bagdadbahn, die vor hundert Jahren dank deutscher Ingenieurskunst und deutschem Kapital gebaut wurde. Ein "Luftschloss" des deutschen Kaisers und des osmanischen Sultans in Istanbul, die damit den Orient fest unter ihre Kontrolle bringen wollten.

Ihr Ziel: eine Eisenbahnverbindung von Berlin über Istanbul und Bagdad bis zum Persischen Golf. Eine Abzweigung über Damaskus, die Hedschasbahn führte bis auf die arabische Halbinsel nach Mekka und Medina. Ein Traum, den britische Agenten zusammen mit - wir würden heute sagen - "arabischen Terroristen" zunichte machten. Die Handelsschiffahrt durch den Suez Kanal und die beginnende Luftfahrt machten die Bahn des Kaisers und des Sultans endgültig zu "altem Eisen".

Landschaften, Städte, Burgen und Basare

Die Reise beschränkt sich nur auf einen Teil der Route der alten Bagdadbahn. Aber sie beginnt natürlich an deren Ausgangspunkt, dem prächtigen Haydarpasa-Bahnhof in Istanbul. Schon bevor wir den Zug besteigen, um uns bequem durch Landschaften, Städte, Burgen und Basare tragen zu lassen, hat die Annäherung an den Orient begonnen. Mit der Ankunft in der Stadt am Bosporus, dem ersten Blick auf die Silhouette ihrer Paläste, Moscheen und Minarette.


Wir leisten uns, kaum haben wir Istanbul und den Bosporus hinter uns gelassen, einen Abstecher in die "Höhlenwelt" Kappadokiens mit ihren bizarren Tuffsteinformationen und gewaltigen unterirdischen Fluchtburgen. Hier suchten die Frühchristen im Römischen Reich Schutz vor Verfolgung. Der Tipp für Kappadokien ist, beides zu tun: unter der Erde durch die anderthalbtausend Jahre alten Höhlenstädte zu kriechen, aber auch einmal im Ballon erhaben über diese Landschaft zu schweben.

Der größte Basar der Welt

Dort, wo es am spannendsten ist, bei der Durchquerung des Taurusgebirges durch antike Tunnel und über schwindelerregende Brücken, folgen wir wieder der historischen Route der Bagdadbahn. Bis nach Aleppo, der alten syrischen Handelsmetropole. Nach einem grandiosen Empfang am "Bagdad-Bahnhof" der Stadt zieht es uns in das kilometerlange Gassengewirr ihres berühmten Bazars, angeblich der größte der Welt.

Wer lieber Burgen als Basare mag, kann sich an der wohl besterhaltenen Kreuzritterburg, dem Krak des Chevaliers nahe der Grenze zum Libanon satt sehen, bevor er ein letztes Mal den Zug besteigt, nach Damaskus, dem Ziel und Endpunkt dieser Reise in den Orient.

Eisenbahnerträume aus 1001 Nacht

Damaskus ist der Ort, der alle Herzen höher schlagen lässt. Die der "Orientalisten" ebenso wie die der Eisenbahnromantiker. Zwar ist der schöne alte Hedschas-Bahnhof der syrischen Hauptstadt inzwischen nicht mehr in Betrieb. Aber am Stadtrand, dort, wo unser Sonderzug eintrifft, stehen Dutzende Schweizer und deutsche Dampfloks aus den Jahren 1894 bis 1928. Gleich daneben, die alten deutschen Eisenbahndepots und Werkstätten, in denen immer noch die riemengetriebenen Originalmaschinen laufen, um Ersatzteile herzustellen.


Hier werden "Eisenbahnerträume aus 1001 Nacht" wahr. Aber Damaskus bietet viel mehr. Eine Altstadt, die sich auf angenehme Art an die heutigen Zeiten herantastet: mit kleinen arabischen Boutique-Hotels und Cafés mit viel Stil und Atmosphäre. Und da ist, aus all dem majestätisch herausragend: die Omayaden-Moschee, für manche das schönste Gotteshaus der Welt. Erstmals erbaut als römischer Tempel, dann christliche Kirche und schließlich Moschee mit all den üblichen Attributen, die trotzdem die Herkunft aus christlicher und vorchristlicher Zeit nicht verleugnen. Und das alles inmitten eines der schönsten Basare der Welt. Willkommen im Orient.

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