Nähen bis zum Umfallen?

Mit deutschen Prüfern unterwegs in Asien

"Wir haben viel erreicht, aber das Problem ist: Wir können nicht überall gleichzeitig sein", sagt Maren Böhm, die beim Otto Versand für die Sozialstandards zuständig ist. Auf Druck von Medien und Nichtregierungsorganisationen haben Anbieter wie die Otto Group, das größte Versandhaus Europas und C&A, einer der größten Einzelhändler Europas, inzwischen Kontrollsysteme entwickelt, um die Ausbeutung der Arbeiter in asiatischen Fabriken zu verringern. Ist die Arbeit der Prüfer nur Unternehmens-PR oder verbessern sie die Lage der Näherinnen und Weber tatsächlich?

Der Asienexperte Frank Sieren hat knapp 20 Fabriken in China, Bangladesch und Indien besucht. Noch nie hat ein Fernsehteam so tiefen und ungehinderten Einblick in das asiatische Fabrikuniversum bekommen. Tausende von Arbeitern nähen in endlosen Reihen unsere Hemden, Hosen und Jacken - zum Teil im Akkord.

Schockierende Bilder

Der Autor fuhr dafür durch den chaotischen Verkehr der asiatischen Fabrik-Städte, durch schlammige Seitenstraßen und vermüllte Hinterhöfe, auf der Suche nach den Eingängen der Fabriken. Dabei hat er schockierende, aber auch hoffnungsvoll stimmende Bilder eingefangen.

Frank Sieren zeigt den Zwiespalt der Prüfer zwischen Kommerz und sozialen Mindeststandards, zwischen lokalen Umständen und deutschen Maßstäben. Er zeigt aber auch, welche Folgen der Wunsch der Kunden nach möglichst billigen Produkten hat. Manchmal können die unter großem Druck stehenden Prüfer ihre Emotionen nicht mehr zügeln. Sie werden wütend oder brechen sogar in Tränen aus. Auch dann ist das Team ganz nah dran.

Was bewirken die Kontrollen wirklich?

Der Autor fragt nach der Moral der Fabrikbesitzer, spricht mit Arbeiterinnen, NGOs und Gewerkschaften, will wissen, was die Kontrollen tatsächlich bewirken. "Die westlichen Firmen müssen enger zusammenarbeiten und gemeinsame Standards entwickeln", fordert der bengalische Gewerkschaftschef Roy Ramesh Chandra, "Und sie müssen sich für die Streikrechte der Arbeiter einsetzen."

Der Autor begleitet auch den längjährigen Vorstandsvorsitzenden und jetzigen Aufsichtsratsvorsitzenden der Otto Group, Michael Otto, in Bangladesch und fragt ihn nach seiner moralischen Verantwortung. Ein Film, der Segen und Fluch der globalisierten Welt vor Augen führt.

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