Obdachlosigkeit in Berlin

Wohnungslose werden immer jünger

Offizielle Zahlen gibt es nicht. Selbst die Senatsverwaltungen für Inneres, Justiz und Soziales in Berlin, haben keine verlässlichen Angaben über Wohnungs- beziehungsweise Obdachlosigkeit in der Hauptstadt. Es bleiben letztendlich nur die Schätzungen der Hilfsorganisationen, Sozialdienste und Wohlfahrtsverbände, die tagtäglich mit den betroffenen Menschen arbeiten. Danach leben in Berlins mindestens 11.000 wohnungslose Menschen. Circa ein Viertel von ihnen sind Frauen.

Schlafsaal für Obdachlose in Berliner Stadtmission
Schlafsaal für Obdachlose in Berliner Stadtmission Quelle: ap

Als wohnungslos gilt, wer keinerlei gesichertes Mietverhältnis besitzt, aber immerhin noch irgendwie untergebracht ist: Sei es bei Verwandten, Freunden oder Bekannten, aber auch in einfachen Notunterkünften, Heimen und betreuten Wohnprojekten. 500 bis 600 Menschen fallen aus diesem Hilfeschirm ganz raus, leben auf der Straße, haben meist nur noch die Kleidung, die sie am Leibe tragen. Ihr Alltag ist oft geprägt von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Sucht und Verwahrlosung.

Wegen Überfüllung abgewiesen

Vor allem im Winter ist die Kälte eine große Gefahr für diese Personengruppe. Manche schlafen dann in U-Bahnhöfen, die über Nacht geöffnet sind, andere drängen in Notbetten, die überall in Berlin von Vereinen und Hilfsorganisationen angeboten werden. Auch wenn in der Regel genügend Betten zur Verfügung stehen, kommt es an besonders kalten Tagen immer wieder vor, dass Menschen wegen Überfüllung abgewiesen werden.


Seit drei Jahren nimmt in Berlin die Anzahl der Obdachlosen ständig zu. Hilfsorganisationen beobachten, dass die Menschen, die auf der Straße leben, immer jünger werden. Auch steigt die Zahl der Drogensüchtigen unter ihnen langsam an. Für Obdachlose ist das Risiko dauerhaft und schwer zu erkranken, besonders hoch. Bundesweit gab es im letzten Winter circa ein Dutzend "Kältetote."

Empfindliche Kürzungen

Aufgrund der rigorosen Sparpolitik des Berliner Senats wird die Situation für die Betroffenen in der Hauptstadt immer schwieriger. Die Mittel für die Wohnungslosenhilfe werden trotz Zunahme der Obdachlosenanzahl immer wieder gekürzt, die Finanzierung von Nachtcafés und Nothilfeeinrichtungen den Trägern selbst überlassen.


Der Rotstift macht auch nicht bei der Gesundheitsversorgung halt: Für das Jahr 2012 wurden der Caritas Ambulanz für Obdachlose die gesamte finanzielle Unterstützung in Höhe von 100.000 Euro gestrichen. Besonders hart trifft es die Menschen auf der Straße, dass vor kurzem auch die Hygienecontainer am Bahnhof Zoo aus Spargründen abgebaut wurden. Die 11.000 Euro, die es kostete, dass Obdachlose "ganz normal" auf die Toilette gehen und sich waschen können, wollte niemand mehr bezahlen.

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