Operation Wüstenstrom

DESERTEC und das Milliarden-Geschäft mit der Sonne

DESERTEC ist die Vision von sauberer Sonnenenergie. Längst ist ein knallharter Wettbewerb um Standorte, Aufträge und neue Technologien entstanden. Viele Firmen wittern ein Milliarden-Geschäft.

Die Wüsten der Erde empfangen in sechs Stunden mehr Energie von der Sonne als die gesamte Weltbevölkerung in einem Jahr verbraucht. Doch kann die Kraft der Sonne auch tatsächlich Rohstoffe wie Öl, Gas und Kohle ersetzen und so die drohende weltweite Energiekrise abwenden? Der Hamburger Physiker Dr. Gerhard Knies ist davon überzeugt.

Er hatte die Idee zu dem Projekt "Desertec". Große Namen wie Siemens, die Deutsche Bank, RWE oder die Münchener Rückversicherung wollen den Milliarden-Deal gemeinsam voran bringen. Und sie bekommen Rückenwind von der Politik. Die Bundesregierung hat in ihrem neuen Energiekonzept nicht nur die Laufzeiten für Atomkraftwerke verlängert, sie hat ausdrücklich beschlossen, die Desertec-Initiative umfassend zu fördern.

Dialog mit Nomaden

Doch lässt sich die Idee vom sauberen Sonnenstrom tatsächlich so einfach realisieren? In den kärgsten Lebensräumen, die unser Planet zu bieten hat? Die afrikanische Regierungen überließen diese Gebiete bisher heimatlosen Nomaden, weil nur sie mit den Bedingungen der erbarmungslosen Einöde zurecht kamen. Unterschiedliche Volksstämme sind hier zu Hause. Sie sind längst zu den eigentlichen Herrschern der Wüsten aufgestiegen. Entscheidet sich ausgerechnet in ihrer Heimat die Zukunft der Menschheit?


Technisch wäre die Herstellung und der Transport des Sonnenstroms kein Problem und die deutsche Wirtschaft könnte gutes Geld daran verdienen. In Sachen Solarstrom ist die Technologie "Made in Germany" weltweit führend. Doch die Kassen werden nur klingeln und neue Arbeitsplätze erst entstehen, wenn der Strom aus der Wüste bezahlbar ist.

Durchleitungsrechte klären

Der Strom müsste verlässlich aus Staaten wie Algerien, Ägypten oder Libyen nach Europa geliefert werden. Durch Leitungen, die es noch gar nicht gibt. Es drängt die Zeit. Denn auch Frankreich und Spanien wittern ein gutes Geschäft mit der erneuerbaren Energie aus Sonnenkraft. Das wissen auch die Staaten Nordafrikas.

Knallharter Wettbewerb

Sie wollen in erster Linie die eigene Bevölkerung mit Strom und Arbeit versorgen und die Anlagen selber bauen. Marokko hat bereits damit begonnen: Das erste Parabol-Kraftwerk geht demnächst ans Netz. Deutsche Ingenieure haben es geplant, die Technik wurde in Deutschland erfunden.


Längst ist ein knallharter Wettbewerb um Standorte, Aufträge und neue Technologien entstanden. Neue Allianzen sind nötig, um aus der Vision eine zukunftsfähige Lösung zu machen. Allianzen, die nach Meinung einiger Experten sogar die aktuelle Diskussion über mögliche Kriege zur Rohstoffsicherung hinfällig machen könnte.

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Doch den Verantwortlichen ist längst klar: nur wer von Anfang an dabei ist, wird die Zukunft auch mitgestalten - und an ihr verdienen. Der Wettlauf um die Wüste ist im vollen Gange.

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